transmediale 2016
transmediale/conversationpiece
Tagline: Festival für Kunst und digitale Kultur
Venues: Haus der Kulturen der Welt (HKW)
Date: 03.02. – 07.02.2016
Organisation: Kulturprojekte Berlin GmbH
Website: -

Everybody's talking at me

I don't hear a word they're saying

Only the echoes of my mind

Es stimmt tatsächlich: „Everybody is talking“, und es geht einem wahrscheinlich wie dem Protagonisten dieses ikonischen Songs aus den 1960er Jahren – statt Worten hört man nur das Echo der eigenen Stimme durchs Netz hallen. Als Folge des globalen Wettbewerbs zwischen Staaten, Unternehmen, Netzwerken und Individuen um die Hoheit über die Kontexte und Rahmenbedingungen für Konversationen und Diskurse scheint sich Frustration auszubreiten. Dieser Wettbewerb ist ein Prozess, in dem wichtige globale Angelegenheiten auf Worthülsen reduziert werden: der Krieg gegen den Terror, Wirtschaftswachstum, die Flüchtlingskrise, Klimawandel und Big Data, um nur einige der unterschiedlichen, aber dennoch eng zusammenhängenden Inhalte zu nennen. Schon in der Vergangenheit hat sich die transmediale mit diesen und vielen anderen Themen beschäftigt. Mit der diesjährigen Ausgabe möchten wir einen kritischen Blick auf die Konversation an sich werfen und das Format des postdigitalen kulturellen Events neu denken.

kuratorisches Statement

Der Titel Conversation Piece bezieht sich auf idealisierte Szenen der Unterhaltung zwischen mehreren Personen im Rahmen des gleichnamigen Malereigenres, das im 17. und 18. Jahrhundert populär wurde. Die Gemälde zeigen Ausschnitte aus dem Alltagsleben des Bürgertums: Teegesellschaften, Picknicke, Ausstellungsbesuche oder Salons, in denen sich Menschen zwar in privaten und informellen, aber immer auch hierarchischen Situationen unterhalten. Natürlich kann man diese idealisierten Szenen einer einheitlichen Gesprächskultur weder eins zu eins in die Gegenwart übertragen, noch ist das erstrebenswert. Unterhaltungen sind an sich schon fragmentarisch im Rahmen dessen, was wir globale Öffentlichkeit nennen; und innerhalb dieser Sphäre ist das Privileg der Teilnahme am Gespräch zumindest teilweise demokratisiert und dezentralisiert worden. Oberflächlich betrachtet mag diese Entwicklung positiv erscheinen, doch anstatt uns der radikalen Vielzahl von Themen und Positionen zu stellen, beobachten wir, wie Gesellschaften zu hierarchischen Formen der datafizierten Konversation zurückkehren: Datengewinnung tritt an die Stelle von Inhalten, der Kontext wird zunehmend wichtiger als der Text. Das einzige am historischen Conversation Piece, das sich aufzugreifen lohnt, ist die Schaffung einer gemeinsamen Grundlage für Argumente und Ansichten. Es geht nicht etwa um die beständige Grundlage eines traditionellen Wertekanons, sondern eher um das Formulieren einer Vielzahl gemeinschaftlicher Vorstellungen, und, noch wichtiger, um das Commoning von Inhalten und Ressourcen, damit diese Vorstellungen in ihrer Unterschiedlichkeit und Vielschichtigkeit anerkannt werden können.

Neue Vokabulare und Sensibilitäten sind erforderlich, um die verschiedenen sozialen, ökonomischen und technologischen Modelle benennen und unterscheiden zu können, die momentan in Reaktion auf die immer prekärer werdenden Lebensbedingungen in der Welt entstehen. Diese Situation bringt neue Vorstellungen dessen mit sich, was ein Gespräch sein kann, und einen neuen Umgang mit den im Spätkapitalismus vorherrschenden Ängsten. Auf den folgenden Seiten stellen wir die vier Aufhänger des Programms der transmediale 2016 vor: Anxious to Act, Anxious to Make, Anxious to Share und Anxious to Secure.

In Anlehnung an das historische Malerei-Genre Conversation Piece stellen diese thematischen Aufhänger mögliche ideale Szenerien dar – nur eben nicht aus dem Alltag des Bürgertums, sondern aus dem Feld zeitgenössischer kultureller Praktiken, die ebenso zwanghaft geworden sind, wie ihre Ausrichtung auf die Zukunft von ängstlicher Unsicherheit geprägt ist. transmediale/conversationpiece hat nicht den Anspruch, den gegenwärtigen Drang, etwas tun zu müssen, aufzulösen, sondern will der Tatsache Rechnung tragen, dass der gegenseitige Austausch einen Wert an und für sich besitzt. Durch die künstlerische Auseinandersetzung mit den diskursiven, sinnlichen und ästhetischen Aspekten der verschiedenen Themen sollen neue gemeinsame Gesprächsgrundlagen entstehen.

We want to act but not in vain.
We want to make but not without agency.
We want to share but not be exploited.
We want to be secure but not at the expense of others.

CURATORIAL TEAM
Kristoffer Gansing / Artistic Director
Florian Wüst / Film & Video
Oliver Lerone Schultz / Anxious to Act
Teresa Dillon / Anxious to Make
Ben Vickers / Anxious to Share
Theresa Züger / Anxious to Secure
Daphne Dragona / transmediale Co-Curricular

festival preface

Willkommen zu einer anderen transmediale. Wir haben diese 29. Ausgabe Conversation Piece genannt. Nach den monothematischen Festivals der vergangenen Jahre mit standardisierten Programm-Sektionen gehen wir nun neue Wege mit einem Format, das einen offenen Raum für den Austausch von Ideen schaffen soll. Wie immer beschäftigen sich die Teilnehmer_innen und Besucher_innen in Talks, Performances, Screenings und Workshops mit künstlerischer und wissenschaftlicher Praxis – oft aber in überraschenden, neuen Konstellationen. Wir haben ein Programm zusammengestellt, das sich nicht nur in Konversation mit dem Publikum entwickelt, sondern auch mit dem Format des Festivals selbst, und von den vier thematischen Streams ausgeht, die als Aufhänger für die jeweiligen Veranstaltungen dienen: Anxious to Act, Anxious to Make, Anxious to Share und Anxious to Secure. Diese Themen stehen für das Bestreben, den Unsicherheiten, mit denen Gesellschaften heute konfrontiert sind, auf neuen Wegen zu begegnen.

Das Programm wäre nicht ohne meine geschätzten Co-Kurator_innen, das unermüdliche transmediale-Team, unseren Technikpartner serve-u und unseren Projektträger Kulturprojekte Berlin sowie viele weitere Partner_innen und Unterstützer_innen zustande gekommen. Ein herzliches Dankeschön geht an unseren Hauptförderer, die Kulturstiftung des Bundes, die gerade beschlossen hat, ihre entscheidende Förderung der transmediale bis 2022 zu verlängern. Ich danke auch unserem Hauptveranstaltungsort, dem Haus der Kulturen der Welt, für die Unterstützung und die inspirierende Umgebung. Ohne die Bundeszentrale für Politische Bildung (BPB), der wir auch dieses Jahr für die Unterstützung unseres Konferenzprogramms danken, könnte die transmediale nicht das interdisziplinäre Forum sein, das sie ist. Wir danken auch dem Medienboard Berlin-Brandenburg, einem weiteren bedeutenden Partner der transmediale, für die wichtige Unterstützung unseres regionalen Marketings. Eine Vielzahl weiterer neuer und alter Partner hat das Programm möglich gemacht. Mein besonderer Dank geht an den Creative Industries Fund NL, die Allianz Kulturstiftung, die Winchester School of Art, die Kanadische Botschaft, die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Universität der Künste in Berlin, Audi und die Universität Aarhus. Sie haben uns nicht nur finanziell und organisatorisch unterstützt, sondern sich auch in die Konversation eingebracht, die der transmediale 2016 vorangegangen ist; einige von ihnen werden zudem an der Nachbereitung beteiligt sein. Das bringt uns ins Jahr 2017, in dem die transmediale ihr 30-jähriges Jubiläum feiern wird. Wie könnte man einen solchen Moment besser vorbereiten, als mit einem Conversation Piece, das durch seinen experimentellen Ansatz die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Formats Festival selbst reflektiert?

Kristoffer Gansing. Künstlerischer Leiter, transmediale

Festivalimpressionen
Programmübersicht

Das Conversation Piece der transmediale 2016 bezog sich auf das Ideal, Gemeinsamkeiten zu finden, und problematisierte es anhand von vier miteinander verbundenen Themenbereichen: Anxious to Act, Anxious to Make, Anxious to Share und Anxious to Secure. Wie in historischen Konversationsstücken stellten diese Stränge verschiedene potenzielle Idealszenen dar, nicht aus dem bürgerlichen Alltag, sondern aus zeitgenössischen kulturellen Praktiken, die ebenso zwanghaft geworden sind wie von einer ängstlichen Unsicherheit über ihre zukünftige Ausrichtung geprägt. Mit Vorträgen, Panels, Performances, Workshops und hybriden Veranstaltungen prägten die Themenstränge das Programm der diesjährigen Ausgabe.

Festivalpublikationen

Die Ausgabe der transmediale in 2016 nahm die Form eines „Conversation Piece“ an, welches sich über eine Reihe von Dialog- und partizipativen Veranstaltungsformaten entfaltete. Im Rahmen dieser dialogischen Veranstaltungen wurden die brennendsten Themen der heutigen post-digitalen Kultur artikuliert, und gleichzeitig die wichtigsten laufenden Themen der transmediale reflektiert. In diesem Programmheft lassn sich alle kuratorischen Texte sowie Veranstaltungsbeschreibungen finden.

Diese Ausgabe von APRJA steht in Beziehung zu der Ankündigung der transmediale 2016 conversation piece, welche die kompulsiven Handlungen der digitalen Kultur beleuchtet und wie wir ständig ermutigt werden aktiv zu bleiben, zu handeln [act], zu teilen [share] und zu schützen [secure].

journal
Team

Kristoffer Gansing Artistic Director, Florian Wüst Film & Video Curator, Oliver Lerone Schultz Chair / Anxious to Act, Teresa Dillon Chair / Anxious to Make, Ben Vickers Chair / Anxious to Share, Theresa Züger Chair / Anxious to Secure, Daphne Dragona Curator transmediale Co-Curricular Program, Inga Seidler Program Coordination, Sibylle Kerlisch Production, Melvin Neumann Project Management; Elisabetta Rapetti Project Management; Sarah Theurer Project Management; Katharina Gratzl-Karnitschnig Administration & Finance, Sanga Lenz Administration & Participant Management, Giulia Messia Participant Management, Filippo Gianetta Marketing & Communications, Tabea Hamperl Press, Elvia Wilk Editing, Maria Lechner Marketing, Natalie Schütze Communications & Editing, Ina Bassarak Accreditation, Sophie Joos Info Counter; Technical support serve-u, Phillip Sünderhauf, Andreas Buchholz, Marc Klische; Graphic Design The Laboratory of Manuel Bürger, Manuel Bürger, Hendrike Nagel, Jannis Zell; Stefan Schmied Festival Trailer; Website Development einskommanull, Sebastian Göbel, Laura Oldenbourg, Michael Scharnagl; Translators Janet Leyton-Grant, Sabine Weier; Photo Documentation students of design akademie berlin , led by Prof. Sebastian Denz: Roman Barz, Maya Bohneberg, Max Fortmüller, Manuel Genolet, Dorothea Halbig, Leonie Kircher, Clemens Lintner, Dorian Meyer-Venter, Alissa Verj; Julian Paul Photography

Beirat Alex Adriaansens, Marie-Luise Angerer, Dieter Daniels, Jan Edler, Micz Flor

Support

Gefördert durch Kulturstiftung des Bundes, Kultur Projekte Berlin, HKW, Medienboard Berlin Brandenburg, Bundeszentrale für politische Bildung

Partner CTM Festival, Aarhus University, Winchester School of Arts, creative industries fund NL, UDK Berlin, Embassy of Canada, Friedrich Ebert Stiftung, Edith Russ Haus, Donau Festival, Berliner Gazette, Allianz Kulturstiftung, National and Kapodistrias University of Athens, Metal, Barbican

Sponsoren serve-u technical support, Eventbrite, Audi

Medienpartner arte creative, radioeins, Motherboard, Wired, Deutschlandradio Kultur, Berlin Art Link, iRights Media, Berliner Fenster, neural

Support Leuphana University of Lüneburg, Université de Montréal, University of San Francisco Open Lab - Newcastle University, ArtSclence Interfaculty of the Royal Academy of Art The Hague and Royal Conservatoire The Hague, Artistic Technology Lab University of Applied Arts, Vienna, Critical Media Lab, Institute of Experimental Design and Media Cultures, Academy of Fine Art and Design FHNW, Embassy of the United Kingdom, Embassy of Sweden, Ethereum, Fonds de Recherche du Québec - Société et Culture, Finnland-Institut Deutschland, HI AP, Hybrid City Conference, MAZI Projects, Art Laboratory Berlin, LABoral, Centro de Arte y Creación Industrial, ver.di, The Guggenheim, Danish Arts Foundation, In-Berlin, Echoo Konferenzdolmetschen, Anette Lazai Schriftdolmetschen, Aqua Monaco, Flora Mate