transmediale.10
FUTURITY NOW!
Tagline: Festival für Kunst und digitale Kultur
Venues: Haus der Kulturen der Welt (HKW)
Date: 02.02 – 07.02.2010
Organisation: Kulturprojekte Berlin GmbH

Welcome – and launch yourself into Futurity... Now!

Das ganze 20. Jahrhundert hindurch stellten Vordenker das Jahr 2010 als das leuchtende Beispiel einer Zukunft dar, die von technischem Fortschritt und sozialer Harmonie geprägt sein würde. Aber dann war 2010 das Heute und es wurde deutlich, dass die Weltgesellschaft weder die Utopie noch die Anti-Utopie ist, die üblicherweise in diesen Zukunftsfiktionen gezeichnet wurde. FUTURITY NOW! war eine Einladung neue Zukunftsmodelle zu bilden, bei denen es nicht darum ging, was die Zukunft für uns bereit hält, sondern was wir für die Zukunft bereit halten.

Festivalthema

FUTURITY NOW!

Das Jahr 2010 steht für die Bilder, die sich die Vergangenheit von der Zukunft gemacht hat. Das ganze 20. Jahrhundert hindurch stellten Schriftsteller und Vordenker das Jahr 2010 als das leuchtende Beispiel einer Zukunft dar, die von technischem Fortschritt und sozialer Harmonie geprägt sein würde.

Aber je näher 2010 rückt, umso deutlicher wird, dass die Weltgesellschaft weder die Utopie noch die Anti-Utopie ist, die traditioneller Weise in diesen Fiktionen, Architekturen und Theorien der Zukunft gezeichnet wurde. Stattdessen entstand ein zunehmend komplexes Netz aus wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Systemen, die von der sich schnell entwickelnden und konvergierenden Medientechnologie abhängen. Durch die Allgegenwärtigkeit digitaler Praxis und sozialer Medien, die als wesentlicher Teil unseres Lebens fest in unserem kulturellen Code verwurzelt sind, haben wir uns in unserer eigenen Auffassung von der Zukunft verfangen. Die Zukunft selbst erlebt nun eine Identitätskrise.

'Futurity' - 'Zukünftigkeit' - ist ein Konzept, das untersucht, was 'Zukunft' als bedingendes und kreatives Vorhaben sein kann. In seinem Zentrum steht das komplexe Bedürfnis, den politischen und wirtschaftlichen Wirren neue Zukunftsvisionen entgegenzustellen. Unter dem Motto FUTURITY NOW! untersucht die transmediale.10, welche Rolle die Entwicklung des Internets, die globale Netzwerkpraxis, Open-Source-Methoden, nachhaltige Gestaltung und mobile Technologie bei der Bildung neuer kultureller, ideologischer und politischer Modelle spielt.

Die transmediale.10 lädt Künstler, Wissenschaftler, Medienaktivisten, Denker und Visionäre ein - nicht um die Frage zu beantworten, was die Zukunft für uns bereithält, sondern was wir für die Zukunft bereithalten.

Aber ich war zu verwirrt, um mich darum zu kümmern, deshalb warf ich mich mit einer Art Verrücktheit, die mich überkam, in die Zukünftigkeit. H.G Wells, Die Zeitmaschine

Fully imagined cultural futures were the luxury of another day, one in which 'now' was of some greater duration. For us, things can change so abruptly, so violently, so profoundly, that futures like our grandparents' have insufficient 'now' to stand on. We have no future because our present is too volatile … We have only risk management. The spinning of the given moment's scenarios. Pattern Recognition by William Gibson, 2003

Diese beiden, knapp 100 Jahre auseinanderliegenden, Beschreibungen, vermitteln uns einen Abriss über die Bedingungen von 'Futurity', denen die transmediale.10 nachgehen wird. Das Jahr 2010 ist ein Synonym für vergangene Vorstellungen von Zukunft, die in Kunst, Design, Fiktion, Architektur und Theorie formuliert wurden. FUTURITY NOW! ist der Vorschlag dieses Jahr als einen Wendepunkt anzusehen, an dem die Weltgesellschaft spekulative Utopie- und Anti-Utopie-Modelle hinter sich lässt und in ein Zeitalter eintritt, das nicht nur wesentlich komplexer ist, sondern auch dringend neue Bezugssysteme benötigt.

Die Zukunft ist nicht mehr das, was sie einmal war.

Vor 100 Jahren fasste das 'Futuristische Manifest' Entwicklungen zusammen, die als bestimmend für die Zukunft galten. Heute, da die Welt allmählich aus der Finanzkrise hervortritt, schliesst sich das Kapitel des 20. Jahrhundert, ein Kapitel totalitärer Exzesse und unvereinbarer politischer Konzepte. FUTURITY NOW! untersucht die Idee, dass die Menschheit ihrer Zukunft begegnet ist. Vor 40 Jahren prägte Alvin Toffler den Begriff futureshock, um einen Schockzustand zu beschreiben, der durch "zu viel Wandel in zu kurzer Zeit" verursacht wird. Mit der Allgegenwärtigkeit und Gleichzeitigkeit von sozialen Netzwerken, der Verbreitung von Lifestyle-Technologien und der Politisierung des world wide web, stehen wir erneut den Konsequenzen technologischer Beschleunigung gegenüber. Bedarf die Zukunft einer Neugestaltung in diesem sich rasant entwickelnden Kontext? Welche Rolle spielen Spekulationen und Vorhersagen für unseren Selbstentwurf und die Richtung, die unsere Gesellschaft einschlagen wird? Können wir uns Zeit wieder auf sinnvolle Weise aneignen? Sind Zukünfte überhaupt notwendig? Welchen Nutzen bringen Konzepte wie Atemporalität, Simultaneität, Verschiebung und Zukunftssicherung?

Im Kern von FUTURITY NOW! stehen der Wandel und die komplexe Wechselwirkung zwischen visionären Zukünften, Politik und Krise. Die transmediale.10 wird die Zukunft auf ihre Identität und ihre Beziehung zu Vergangenheit und Gegenwart hin untersuchen und mit international bekannten Wissenschaftlern, Visionären, Hacktivisten, Künstlern, Philosophen und Schriftstellern den unsichtbaren Einfluss aufdecken, den 'Futurity' auf unser tägliches Leben und Denken hat.

Vorwort zum Festivalkatalog

FUTURITY NOW! entstand aus einer Diskussion um Flüchtigkeit und kakofonische Systeme als Folge der globalen Finanzkrise – dem weltweit ersten digitalen Sturm. Arthur C. Clarkes mythisches, zukunftsgeladenes Jahr 2010 zeichnete sich scheinbar unerreichbar ab, so weit entfernt eben, wie es eine schriftstellerische Science-Fiction-Fantasie ist.

Angesichts des beschleunigten Hypes medialer Multiplikatoren und vernetzter Freunde, die unsichtbare Gemeinschaften gründen, schien, was wir bisher für die Zukunft hielten, ganz plötzlich passé! Die Wege des technologischen Fortschritts, die Wahrheitssysteme, die unsere digitale Kultur kennzeichnen, konnten nicht länger auf Autopilot weiterlaufen. Neue Bedingungen für eine andere Art von Zukunft sind gefragt.

Bei FUTURITY NOW! geht es nicht um das Künftige, sondern darum, wie wir unsere vergangenen Zukünfte neu denken müssen. Wir wurden von der Zukunft eingeholt – und jetzt ist es an uns, sie zu bestimmen …

Die transmediale lädt Künstler, Autoren, Forscher, Kritiker und Aktivisten in das Berliner Haus der Kulturen der Welt ein. Ohne die großzügige Unterstützung durch die Kulturstiftung des Bundes, das Medienboard Berlin-Brandenburg, die Bundeszentrale für Politische Bildung sowie lokale Partner wie das Collegium Hungaricum Berlin, serve-u, den Marshall McLuhan Salon und das Vilém-Flusser-Archiv hätte dieses einzigartige Treffen von Kunst, Wissenschaft und Industrie nicht zu einer weltweit führenden Veranstaltung werden können.

Als eine Herausforderung an die Realisierung kreativer Ideale ist die transmediale das Produkt intensiver Teamarbeit – und wir laden alle Gäste und Teilnehmer herzlich ein!

Willkommen in der Zukünftigkeit … Jetzt!

Bei der Eröffnungszeremonie freuen wir uns ganz besonders auf den seltenen Auftritt von Herbert W. Franke, Pionier der Computerkunst, sowie auf das Carillon-Konzert von Charlemagne Palestine und Yvette Matterns Installation From One To Many am Berliner Nachthimmel.

Die Eröffnung der von Honor Harger kuratierten Ausstellung Future Obscura und audiovisuelle Performances von aaajiao und Benjamin Laurent Aman leiten das transmediale.10-Performance-Programm mit Auftritten von Ryoji Ikeda, artificiel und Feng Mengbo u. a. ein.

Keynotes von Bruce Sterling, Conrad Wolfram und Richard Barbrook sowie die Futurity Long Conversation sind die Highlights von Future Observatory, der transmediale.10-Konferenz. Phuturama, der Free Culture Incubator, Award-Screenings, Projekt-Salons und Workshops beschäftigen sich mit anderen Zukunftsvorstellungen!

Stephen Kovats

Festivalimpressionen
  1. "From One to Many", installation by Yvette Mattern

  2. Siegfried Zielinski at "Atemporality - A Cultural Speed Control?"

  3. "The Long Conversion", performance by sosolimited

  4. "From One to Many", installation by Yvette Mattern

  5. "White Noise", installation by Žilvinas Kempinas

  6. "From One to Many", installation by Yvette Mattern

  7. "White Noise", installation by Žilvinas Kempinas

  8. "Test Pattern", performance by Ryoi Ikeda

  9. "POWEr", performance by artificiel

  10. Impression of transmediale.10 FUTURITY NOW!

  11. "The Long Conversion", performance by sosolimited

  12. "Elektrolab", performance by Rachida Ziani and Dewi de Vree

  13. "Myths Of The Near Future", performance feat. Feng Mengbo, FM3_Zhang + aaajiao

  14. Siegfried Zielinski at "Atemporality - A Cultural Speed Control?"

  15. Foyer at Haus der Kulturen der Welt during transmediale.10 FUTURITY NOW!

  16. "Paparazzi Bots", installation by Ken Rinaldo

  17. "The Space Beyond", installation by Julius von Bismarck

  18. "Materia Obscura", performance by Jürgen Reble and Thomas Köner

  19. Performance at transmediale.10 FUTURITY NOW!

  20. "From One to Many", installation by Yvette Mattern

Programmübersicht

Haben wir unsere Vorstellungen von der Zukunft eingeholt? Bei der Konferenzreihe Future Observatory ist dies die zentrale Frage, während sich das Film- und Videoprogramm mit dem Thema der gescheiterten Utopien befasste. Das Performance-Programm präsentierte eine Reihe von Konzerten und Veranstaltungen, die als auditive und performative Auseinandersetzung mit der Zukunft fungierten. Die Ausstellung Future Obscura vereint eine Gruppe vielfältiger Kunstwerke, die die komplexe Situation der Zukunft durch die Linse der Bildgestaltung erforschen. Der Salon bestand aus drei interdisziplinären Bereichen – Vorträgen, Projekten und Workshops –, die sich mit FUTURITY NOW! befassten. An den Satellitenstandorten wurden die neuesten Werke aus dem Bereich der digitalen und elektronischen Kunst präsentiert.

Preise

transmediale Award
Die Jury des transmediale Award 2010, bestehend aus Yves Bernard, Michelle Kasprzak, José Luis de Vicente, Li Zhenhua und Doreen Mende, nominierte neun herausragende Kunstwerke und Projekte, die sich mit den Herausforderungen unserer sich rasch wandelnden digitalen, technologischen und vernetzten Kulturen auseinandersetzen. Die Gewinnerin war Michelle Teran mit ihrem Werk Buscando al Sr. Goodbar. Eine Auszeichnung erhielten die Amerikaner Aaron Koblin und Daniel Massey für ihr Werk Bicycle Built For Two Thousand.

Vilém Flusser Theory Award
Angesichts der zunehmenden Bedeutung theoretischer, forschungsbasierter und kritischer Arbeiten würdigt der Vilém Flusser Theory Award in Zusammenarbeit mit dem _Vilém_Flusser_Archiv an der Universität der Künste Berlin herausragende Arbeiten, die Flussers Vermächtnis durch ihre Vorstellungskraft und analytische Strenge weiterführen. Die Beratungsgruppe des Vilém Flusser Theory Award, bestehend aus Sabeth Buchmann, Oliver Grau und Marcel René Marburger, nominierte vier Werke für den diesjährigen Preis. Die nominierten Kunstwerke, Künstler und Autoren wurden entsprechend ihrer Ausdrucksform im HKW und an den tm.10-Satellitenstandorten präsentiert. Der Preis ging an Warren Neidich für sein Forschungsprojekt Neuropower.

Festivalpublikationen

FUTURITY NOW! war eine Einladung neue Zukunftsmodelle zu bilden, bei denen es nicht darum ging, was die Zukunft bereit hält, sondern was wir für die Zukunft bereit halten. Das Festivalheft enthält das Programm, Kunstwerke und Texte dieser Festivalausgabe. Collaborative Futures wurde von fünf Kernautoren geschrieben, welche ausgehend von Annahmen, manche geteilt, manche voneinader abweichend, arbeiteten. Entwickelt unter der Leitung von transmediale.10 und durchgeführt von FLOSS Manuals resultiert die dritte Publikation der parcours-Serie in eine Einführung von neuem Vokabulär betreffend der Formen, Medien und Ziele von gemeinschaftlichem Arbeiten.

Team

Stephen Kovats Artistic Director, Christine Bernauer, Susanne Bernstein, Magdalena Rothweiler Festival Management, Markus Huber Conference Program Coordinator, Honor Harger Guest Curator, Adam Thomas Assistant Guest Curator & Salon Coordinator, Filippo Gianetta IT Manager & Program Assistant, Ela Kagel, Marcel Schwierin, Gregor Sedlag Program Curators, Sophia Gräfe, Eleanor Jones, Marieke de Roos, Anna Lena Seiser Program Team Interns, Anna-Sophie Springer Editor & Translator, Laleh Torabi Design, Meik Mehlhorn Assistant Design, Sibylle Kerlisch Production, Clemens Lerche Marketing, Beckie Darlington Guest Services, Juliane Schulz Infocounter Coordinator, Sally Below Communications/Press, Sally Below, Antje Materna, Christine Florack, Thomas Deittert Cultural Affairs, serve-u: Phillip Sünderhauf, Andreas Buchholz Technical Directors, Ludmila Demke, Marc Klische Assistants to the Technical Directors 

Website Micz Flor Redaktion und Alltag, einskommanull Sebastian Göbel, Laura Oldenburg; Laleh Torabi Design, Filippo Gianetta Coordinator 

Fotografie Jonathan Gröger

Video Trailer Tom Freitag, Jan Goldfuß, Martin Wellens

Sound Tetsuya Hori

Streaming serve-u

Beirat Alex Adriaansens, Marie Cathleen Haff, Saskia Sassen, Yukiko Shikata

Support

gefördert durch Kulturstiftung des Bundes, Kultur Projekte Berlin, HKW

Partnern Medienboard Berlin Brandenburg, Bundeszentrale für politische Bildung, gtz, Auswärtiges Amt, .CHB Collegium Hungaricum Berlin, Emassy of Canada, A Public Affairs Program of the Embassy of the United States, Mondriaan Stichting, Shanghai eARTS, Instituto Cervantes Berlin

Sponsoren serve-u technical support, Allianz Kulturstiftung, Geier-Tronic Videotechnik, Laserfabrik, Netzpiloten, Ferchau Engineering, Oktoberdruck, IMA

Medienpartnern arte tv, Berliner Fenster, Cargo, DE:BUG, Deutschlandradio Kultur, Digicult, Freshmilk.tv, radioeins, die tageszeitung, Telepolis, unlike.net, Zitty Berlin

Support amino, Bocca di Bacco, Echoo Konferenz Dolmetschen, IN-Berlin, Vertretung der Regierung von Québec in Berlin, Werkleitz - Zentrum für Medienkunst, Goethe Institut Bejing, Goethe Institut Jakarta, Goethe Institut Taipeh, Goethe Institut Kairo, Communauté Française de Belgique, Botschaft des Königreichs der Niederlande, Arts Catalyst, Pro Helvetia, Next