Haus der Kulturen der Welt (HKW)
5 – 7 February 2010
Wieso galt das 21. Jahrhundert so lange als Projektionsfläche für die Zukunft unserer Gesellschaft? Haben wir unserer Vorstellungen von der Zukunft eingeholt? Dies sind die grundlegenden Fragen, die in der transmediale.10 Konferenz diskutiert werden.
Unter dem Titel Future Observatory widmet sich die transmediale.10 Konferenz den Epistemologien, Grenzen und Dysfunktionen der Zukunft als kulturelle Projektionsfläche. Future Observatory fragt nach Möglichkeiten und Strategien der (Medien-) Analyse unserer Gegenwart. Die Diskussionen werden von renomierten Wissenschaftlern, Autoren und Futurologen eingeleitet, Bruce Sterling, Technologiepionier Conrad Wolfram (Direktor von Wolfram Ltd. Europa), Dr. Richard Barbrook (Autor von Imaginary Futures).
Medien prägen unsere Sicht der Wirklichkeit. Durch sie konstruieren wir unsere Anschauungsformen von Raum und Zeit und bedingen damit auch grundlegend unsere Formen des Wahrnehmens und des Erkennens. So sind es gerade die Bilder, die wir uns von der Zukunft machen, die uns Auskunft über die Verfasstheit unsere Gesellschaft heute geben. Wie funktioniert der gesellschaftliche Code, der die Operation Zukunft ausführt?
In der Futurity Long Conversation weitet sich der Dialog als ästhetischer, analytischer und kollaborativer Prozess zu einer Sonderzeitzone, in der Teilnehmer und Publikum zwischen den Disziplinen der Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft wandeln. 21 Gäste werden in wechselnden Konstellationen über Dauer von 9 Stunden Projekte, Technologien und Utopien diskutieren, die bereits jetzt schon unsere Zukunft bestimmen. So stellt die Veranstaltung die Idee der Zukunft wie sie bisher in der Kultur verankert war just in einem Moment in Frage, in dem konvergierende Medientechnologien, mobile Kommunikation und zunehmende Gleichzeitigkeit die Zukunftsrhetorik des 20. Jahrhunderts zum Verblassen bringen.
Das Format der Futurity Long Conversation wurde in Zusammenarbeit mit der Longplayer Trust konzipiert und basiert auf den Ideen der The Long Now Foundation, internationale Organisationen, die unser gegenwärtiges Bild von Zeitverlauf und dem „Jetzt” radikal neu – und vielleicht zu unseren heutigen Medientechnologien besser passend– denken will: Denn nach ihrer Ansicht befinden wir uns in einem 10.000 Jahre anhaltenden „Jetzt”, eine Vorstellung, die unseren traditionellen Zukunftsbegriff sowie unseren Sinn für Beschleunigung, Fortschritt oder Entwicklung vollkommen verändert.
Für die Dauer des transmediale.10 Festivals wird das Haus der Kulturen der Welt in einen temporären Echoraum für den Longplayer verwandelt, einem algorithmischen Musikstück, das 1000 Jahre andauert und sich dabei niemals wiederholen wird. Entwickelt und komponiert wurde der Longplayer vom ehemaligen Pogues Mitglied Jem Finer.



