Haus der Kulturen der Welt (HKW)
3 – 6 February 2011
„Wir sind mit der ganzen Menschheit verflochten und die ganze Menschheit mit uns", prophezeite Marshall McLuhan vor fast 50 Jahren. Heute sind wir dank der unterschiedlichen Formen von Echtzeitmedien und -netzwerken in der Lage, überall und gleichzeitig zu sein. Diese Hyper-Präsenz ist zu einem zentralen Aspekt unserer sozialen Praxis geworden. Jetzt, hier und zugleich online zu sein verändert dabei die Art und Weise wie wir wahrnehmen und handeln, beziehungsweise wie wir miteinander umgehen und zusammenarbeiten; es verändert unser Verständnis von Körperlichkeit und Präsenz als Individuum und in der Gemeinschaft. Welche Auswirkungen hat dieser hybride, transformale Zustand der digitalen Liveness auf die Identitätskonzepte unserer Gesellschaft?
Die digitale Liveness verändert grundlegend die Beziehung zwischen Körper und Technologie, zwischen Individuum und Gemeinwesen. Die geschlechtlichen und biogenetischen Merkmale des biologischen Körpers ebenso wie die juristische Definitionen des sozialen und politischen Körpers geraten in Bewegung und müssen um die kybernetischen, kognitionspsychologischen und affektiven Qualitäten der digitalen Liveschaltung unserer Gesellschaft erweitert werden. Welches neue Subjekt soll heute entstehen?
Vor diesem Hintergrund müssen wir die Bedeutung des Politischen neu denken, nämlich als Fähigkeit (ABILITY) in die infogenetische Beziehung zwischen Körper, biomedialem Universum und der Ökologie unseres Bewusstseins einzugreifen (RESPONSE).
Unter dem Titel BODY:RESPONSE – Biomediale Politik im Zeitalter der digitalen Liveness untersucht die Konferenz der transmediale.11 die bio- und psychopolitischen Machtkonfigurationen im Webzeitalter, welche sich durch die zunehmende Biologisierung der Medien (Immersion, Taktilität) und die kommunikationstechnologische Hybridisierung virtueller und realer Räume ergeben (etwa in ortbasierten sozialen Netzwerken wie 'Foursquare').
Wie kann man in dieser neuen politischen Konfiguration die Disposition zum Handeln mobilisieren? Wie können Formen des Widerstandes und der Unterwanderung biopolitischer Machtstrukturen aussehen, die den biologischen und sozialen Körper in den Mittelpunkt ihres Anspruches auf Macht und Kontrolle stellen?
Hier werden unterschiedliche Modi medialer, vernetzter und leiblicher Präsenz diskutiert sowie künstlerische Praxisformen präsentiert, die sich mit der sozialen Dynamik von Distanz und Telepräsenz sowie der Produktion von Authentizität und Identität beschäftigen.
Dieser Track widmet sich der Biomacht, die das Leben selbst ins Zentrum neuer politischer Machtwirkungen und ökonomischer Strategien rückt. Das, was uns scheinbar als individuelle und autonome Persönlichkeit definiert - unsere kognitiven, emotionalen und relationalen Fähigkeiten - werden mehr und mehr zum Gegenstand neue Formen der Produktivität. ’Kognitiver Kapitalismus’ und ’immaterielle Arbeit’ sind Begriffe, die hier diskutiert werden.
fragt schließlich, wie der Körper selbst eine solche digitale (Um-)Welt erfahren und adaptieren kann. Hier wird der Affekt als Medium zwischen Körper und Technologie untersucht, das im Hinblick auf das post- humane Kräftespiel zwischen Herrschaft und Subjekt, Wissen und Verteilung neue Handlungsräume öffnet.






