| Tagline: | Festival für Kunst und digitale Kultur |
|---|---|
| Venues: | Embassy of Canada, Haus der Kulturen der Welt (HKW) |
| Date: | 29.01 – 03.02.2013 |
| Organisation: | Kulturprojekte Berlin GmbH |
Back When Als Mobiltelefone noch stumm waren. Briefe durch Rohrpostanlagen flogen. Tweets von Vögeln kamen. User mit Minitel chatteten. IRC von ICQ ablöst wurde. Xerox mit Thermofax konkurrierte. YouTube irgendein Web 2.0-Start-up war. Fax das neue Telex war. Man Bulletin Board Systeme abrief. Nur Studenten Facebook nutzten. Geschichte zu Ende gegangen war. Wir neun Planeten hatten. Pluto Was A Planet
Im Netzjargon benutzt man das Akronym BWPWAP (Back When Pluto Was a Planet), um über Dinge zu reden, die sich vor Kurzem schnell verändert haben. Am 24. August 2006 stimmte die Internationale Astronomische Union bei der Abschlusszeremonie ihrer Generalversammlung für die “Degradierung” Plutos und erkannte ihm den Planetenstatus ab. Die transmediale 2013 zeigte, dass die von neuen Technologien und in Bewegung befindlichen Wissensparadigmen angefeuerte Klassifizierungskrise wertvollen Raum für das Aushandeln von Kultur und künstlerische Interventionen eröffnet.
Festivalthema
Am 24. August 2006 stimmte die Internationale Astronomische Union bei der Abschlusszeremonie ihrer Generalversammlung für die „Degradierung“ Plutos und erkannte ihm den Planetenstatus ab. Auch wenn Pluto nun offiziell kein Planet mehr ist, bleibt er das für viele Menschen. Dass Pluto degradiert wurde, war vor allem neuen Beobachtungstechnologien und einer damit einhergehenden Neudefinition von Planeten geschuldet. Von ursprünglich neun zählt unser Sonnensystem nun also nur noch acht Planeten. Und was ist Pluto? Ein Zwergplanet, ein Plutoid, ein Planet, ein mythologischer Herrscher der Unterwelt, ein Zeichentrickhund. Über diese möglichen Definitionen hinaus steht Pluto im Kontext der transmediale 2013 für ein Element, das zur Krise führt: Seine fluktuierende und umstrittene Identität bekräftigt die Neuformulierung etablierter Wissenskategorien. Die Entscheidung, Pluto aus seinem Planetenstatus zu entheben, verärgerte viele. Stimmen von Astrologen wurden laut, die 2006 nicht an der Versammlung hatten teilnehmen können. Eine starke öffentliche Reaktion folgte, Gegner protestierten mit Rap-Songs wie Bring Back Pluto, T-Shirts und Autoaufklebern gegen das Abstimmungsergebnis, verbreiteten Computerspiele wie Pluto Strikes Back und YouTube-Videos von Demonstrationen für Pluto, um nur einige Reaktionen aus Populär- und User-Kultur zu nennen. Und dann ist da noch das Akronym BWPWAP aus dem Netzjargon, das Dinge aus der Vergangenheit und der Gegenwart beschreibt, die sich etablierten Wissensstandards nicht unterordnen.
Die transmediale 2013 zeigt, dass die von neuen Technologien und in Bewegung befindlichen Wissensparadigmen angefeuerte Klassifizierungskrise wertvollen Raum für das Aushandeln von Kultur und künstlerische Interventionen eröffnet. Letztlich hat die Bedeutung von Pluto gar nicht so viel damit zu tun, was laut Definition nun ein Planet ist oder nicht. Plutos Geschichte ist vielmehr eine über unsere kulturelle Situation, eine darüber, wie technologische Entwicklungen und neue Wissensparadigmen unser kulturelles Imaginäres verändern. Trotzdem zeigt der Widerstand gegen Plutos Degradierung, dass diese technoide wissenschaftliche Welt auf Ablehnung stößt. Bei der transmediale 2013 laden wir Sie dazu ein, das vermeintlich Offensichtliche weiter in Frage zu stellen, mit einem Programm, das junge Vergangenheiten und halbvergessene Orte wieder auf den Plan ruft und irreale sowie poetische Modi der Kulturkritik untersucht – als ob BWPWAP.
Das Programm folgt vier Themensträngen: Users, Networks, Paper und Desire. Es wirft einen Blick darauf, was diese Motive BWPWAP bedeuteten, was sie heute bedeuten und wie sich diese Bedeutung in der Zukunft entwickeln könnte – ausgehend von der zentralen These sich verändernder Realitäten. Die Themenstränge verlaufen quer durch die verschiedenen Festival-Events, und indem sie ihnen nachgehen, können die Besucher ständige Verschiebungen von Vorgehensweisen und Perspektiven erleben.
Der Themenstrang Users widmet sich dem User als einer der wichtigsten Figuren in der Kulturlandschaft des 21. Jahrhunderts, beleuchtet verschiedene Aspekte, zum Beispiel die geschichtliche Entwicklung der User-Kultur innerhalb der Konsumgesellschaft und der Kybernetik, und greift die wechselnden Rollen des Users auf.
Mit dem Themenstrang Networks fragen wir danach, was es heißt, wenn Netzwerke BWPWAP sind und was es bedeutet, dass (soziale) Netzwerke allgegenwärtig sind und die Art und Weise verändern, wie wir Freundschaften schließen und Kontakte knüpfen.
Der Themenstrang Paper folgt der Geschichte des Papiers als transzendente kulturelle Form und beschäftigt sich mit den diversen künstlerischen Aneignungen des Mediums in Bewegungen wie der Mail Art und der Visuellen Poesie, mit elektronischer Literatur und anderen Phänomenen.
Rund um das Thema Desire erkunden wir, wie die kritische Auseinandersetzung mit Sexualität und Pornografie die digitale Kultur und die Politik der Gegenwart beeinflussen kann. Dafür nutzen wir Formen queerer Ausdrucksweisen, stellen gegenüber, demontieren, fragmentieren und schaffen unerwartete Kombinationen.
Wie Pluto selbst sind diese Themen „Objekte“ in der Krise. Im post-digitalen Zeitalter ist ihre Identität nicht mehr selbstverständlich, das macht sich in den kulturellen, politischen und ökonomischen Krisen bemerkbar, die sie alle durchlaufen. Doch diese Krisen sind Gelegenheit für künstlerische Auseinandersetzung und Reflexion. Der zeit- und raumlosen Logik von BWPWAP folgend, suchen wir in jedem dieser Themenstränge nach neuen Wegen, Geschichte, Praxis und Zukunft dieser vertrauten Territorien zu begreifen. Vor kurzem mögen wir diese Territorien noch als selbstverständlich hingenommen haben, doch jetzt müssen wir von der Vergangenheit lernen, um in der Gegenwart neue Konzepte für die kulturelle Praxis gestalten zu können.
Programm-Team der transmediale 2013
Kristoffer Gansing, Künstlerischer Leiter
Tatiana Bazzichelli, reSource transmedial culture Berlin, Programm-Kuratorin
Jacob Lillemose, Kurator der Ausstellungen
Marcel Schwierin, Film- und Videoprogramm
Vorwort zum Festivalkatalog
For its 26th edition, transmediale boldly goes BWPWAP - Back When Pluto Was a Planet. This does not necessarily mean entertaining nostalgia for the past. On the contrary, Pluto and its reclassification is taken as a metaphor for how quickly cultural imaginaries can change and be contested in a world driven by parallel and shifting paradigms. It is not so long ago when Pluto was still officially counted as a planet: 2006 to be precise. Yet, in terms of media hype and social, economic and political development, the days of Pluto already seem part of a bygone era. Think about financial bubbles, social networking services, political leaders and a life before smartphones (or communication before e-mail). At transmediale 2013, we are interested in retrieving perspectives that today may seem out of place within consensual views of technology and society, but which up until fairly recently, did not seem so improbable. BWPWAP suggests a methodology of looking backwards in order to cast a critical eye on the present and in doing so reformulating cultural practices for a less prescribed and more explorative sense of the possible.
In one of the most ambitious editions of the festival yet, we present no less than three exhibitions and a five-day conference, workshop, screening and performance program. Additionally, the all-year platform, “resource transmedial culture berlin” has contributed to the creation of three large installation and performance projects.
To help visitors navigate this extensive program, we developed four threads that are each explored through BWPWAP methodology: Users, Networks, Paper and Desire. Just like the debates on Pluto and its possible definitions, these threads re-classify the standard festival event taxonomy and offer an alternative roadmap to the festival program.
In 2004, back when Pluto was indeed still a planet, the German Federal Cultural Foundation generously included transmediale in its five-year funding program. In 2011, re-classification of Pluto notwithstanding, the foundation decided to extend funding for another five years. The importance of the continuity granted by this funding structure is reflected in the festival’s curatorial strategy. Since the beginning of 2012, the transmediale team has been working together on a series of workshops stemming from a critical re-thinking of the notion of The Imaginary Museum. This discussion led to the meta-framework file_under: The Imaginary Museum, feeding into the festival program, this publication, as well as into other festivals to take place in the future.
The dynamic curatorial approach and rich program would not have been possible without other additional supporters. We are grateful to the German Federal Agency for Civic Education for their crucial support of the conference program, the Medienboard Berlin Brandenburg for their recognition of transmediale as a unique event in Berlin’s cultural life and, of course, to the Haus der Kulturen der Welt for being an extraordinary and cooperative host. A special thanks also goes out to transmediale’s technical production unit and sponsor, serve-u. This year saw not only significant support of organizations that have been part of the festival since BWPWAP, but also welcomed new collaboration with and funds from the GIZ and the EU program for European Cultural Festivals. But the most important support, as always, comes from the team, participants and audience who make the festival come alive— conjoining this time to go BWPWAP!
Kristoffer Gansing, Artistic Director
Im Rahmen der transmediale 2013 wurden drei Ausstellungen, eine fünftägige Konferenz, ein Programm mit Workshops, Screenings und Performances und drei große Installations- und Performance-Projekte präsentiert, die Ergebnis der ganzjährig aktiven Plattform reSource transmedial culture berlin waren. Um es Besucher_innen leichter zu machen, sich in diesem reichhaltigen Programm zurechtzufinden, wurden vier thematische Stränge entwickelt, die im Sinne der BWPWAP-Methodik durchleuchtet wurden: Users, Networks, Paper und Desire. Angelehnt an die Debatte rund um Pluto und seine potenziellen Definitionen, wurden so standardisierte Festival-Systematiken umgewertet und eine alternative Roadmap für das Programm geboten.
Ein Highlight der ersten Ausgabe des transmediale/magazine ist die Zusammenführung der laufenden Serie reSource chats. Die reSource chats sind Konversationen welche den Fokus auf die sich ändernden Konditionen von kultureller Praxis in der Stadt legt. Das Magazine zeigt auch die neue visuelle Identität der transmediale und stellt afterglow als das Festivalthema 2014 vor. transmediale/magazine ist ein neues Format der transmediale: ein Magazin über Kunst und digitale Kultur, welches die andauernde Präsenz der transmediale über das Festival hinausgehend sowohl in der Stadt als auch international kennzeichnet.
Researching BWPWAP untersucht welche Arten von technologischer und künstlerischer Praxis möglicherweise radikale Effekte auf institutionalisierte Forschungkultur haben kann. Wie können wir Forschung for sich selbst bewahren?
Team
Kristoffer Gansing Artistic Director/Curator Conference & Performances, Markus Huber Festival Manager, Tatiana Bazzichelli Curator Conference, Workshops & Resource Projects, Jacob Lillemose Curator Exhibition, Marcel Schwierin Curator FIlm & Video, Sibylle Kerlisch Production Manager, Phillip Sünderhauf Technical Director, Inga Seidler Project Manager Exhibition & Installations, Stefka Tsaneva Intern Exhibition, Lukas Grundmann Project Manager Performances & Workshops, Daniela Silvestrin Project Manager Conference, Georgia Nicolau resource assistant, Ruby Arrowsmith-Todd Intern Film & Video, Heiko Stubenrauch Intern Conference & resource, Helene Koekoek Event Management, Katharina Gratzl-Karnitschnig Administration, Christine Bernauer Administrative Manager & Finance, Susanne Bernstein Administrative Assistant & Fundraising Manager, Sophie Joos Infocounter Manager, Leila Weber Guest Services Manager, Filippo Gianetta Marketing & Communications Manager, Tabea Hamperl Press Manager, Maria Mouk Communication and Narration, Lina Zuppke Editorial Coordinator, Maria Lechner Intern Communication, David Jackson Sponsoring, Baruch Gottlieb, Ruth Kemper, Marieke Eilers DCA & Archive, serve-u: Phillip Sünderhauf, Andreas Buchholz, Marc Klische Technical Support, The Laboratory of Manuel Bürger: Manuel Bürger, Timm Häneke, Daiva Tubutyté Graphic Design, Alke Vierck, Yella Höpfner Art Education, raumlabor: Andrea Hofmann, Markus Bader, Florian Stirnemann Festival Architecture,** einskommanull: Laura Oldenbourg, Sebastian Göbel, Michael Scharnagl** Website Development
Beirat Alex Adriaansens, Marie-Luise Angerer, Inke Arns, Dieter Daniels, Jan Edler
Support
gefördert durch: Kulturstiftung des Bundes
im Kooperation mit: HKW
ein Projekt von: Kultur Projekte Berlin
Zusätzliche Förderung durch: medienboard Berlin-brandenburg GmbH, bpb: Bundeszentrale für politische Bildung
mit Unterstützung von the Culture Programme of the Europoean Union
Partner und Sponsoren: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, Infinite Opportunities | Germany + India 2011-2012, Botschaft von Kanada, Leuphana Universität Lüneburg, PML, Italienisches Kulturinstitut Berlin, Nordon Nordisk Kulturfond, werkleitz, Kunst > Danish Arts Agency, Mondriaan Stichting (Mondriaan Foundation), serve-u Technical Support, ICT PSP, AC/E Acción Cultural Española, Winchester School of Art, Embassy of Sweden, Königreich der Niederlande, CHB Collegium Hungaricum Berlin, CTM Festival
Media Partner: Digicult, Intro, media.net berlin-brandenburg, frieze d/e, Berliner Fenster, labkultur.tv, Berlin Art Link, t3n, neural, FLUX fm, Deutschlandradio Kultur, DE:BUG, zitty Berlin, der Freitag, taz.die tageszeitung
mit freundlicher Unterstützung von: In-Berlin, Winchester School of Art, Buchhandlung Moritzplatz, Pro qm, amiando, ocelot, Buchhandlung Stadtlichter, Motto Berlin, Dialogue Berlin, Participatory Information Technology Centre, Aarhus University, re:publica, Geier-Tronic, Experimental Media Research Group, The Media School, Bournemouth University
Festival- Architektur + Design
- Agnieszka Kubicka-Dzieduszycka
- André Castro
- Anja Wiesinger
- Annette Knol
- Armin Medosch
- Ayumi Matsuzaka
- Bartek Korzeniowski
- Bernhard Serexhe
- Cornelia Sollfrank
- Dave Young
- Eija-Liisa Ahtila
- Eleanor Greenhalgh
- Georg Russegger
- Gerhard Schwehm
- Giacomo Verde
- Gívan Belá
- Hortensia Völckers
- Karl Klomp
- Lioudmila Voropai
- Lisa Messeri
- Maja Smrekar
- Marcel Schwierin
- Marta Ponsa
- Mike Brown
- Peter Edwards
- Peter Zorn
- Rasa Smite and Raitis Smits
- Simon Worthington
- Simona Lodi
- Soenke Zehle
- Stéphanie Vilayphiou
- Tatiana Bazzichelli
- The Beautiful Zeros and Ugly Ones
- Tikul
- Tom Verbruggen (toktek)




