Exhibition
Uncensored Lilac
Bassam Issa Al-Sabah, Jennifer Mehigan

transmediale studio
26 January – 14 April 2024

Eine Gruppe von Göttinnen und ihr Gefolge aus Vertrauten, Haustieren, Diener:innen und Technologien gönnt sich etwas Ruhe. Getrennt voneinander haben sie ein gemeinsames Land, aber keine gemeinsame Basis. Sie wurden infiltriert. Sie sind hübsch, hot, besorgt und gelangweilt. Sie sind bereit, sich gegenseitig zu vernichten. Mit intensivem Blick in die Kamera sprechen sie über ihre geheimsten Wünsche, Hoffnungen, Träume und Fantasien. Währenddessen steigen die Temperaturen. Sie morphen und wachsen und machen ihrer Wut Luft. Sie werden schnell wütend und mit zunehmender Hitze immer reizbarer.

Bassam Issa Al-Sabah Jennifer Mehigan, Uncensored Lilac, 2024

Uncensored Lilac erzählt eine Geschichte von Rache und Verlangen. Im Zentrum der Ausstellung steht ein 30-minütiger Film, der einer Gruppe von Göttinnen und ihren Begleiter:innen folgt. Ihr Land und ihre Art, miteinander zu kommunizieren, wurden durch den Klimakollaps zerstört, und mit dem Anstieg der Temperaturen bilden sich zwischen ihnen seltsam dissonante Verhaltensweisen heraus. Der in einer traumartigen, halluzinatorischen Landschaft angesiedelte Film enthält eine Reihe von Monologen dieser Mega-Femmes, die alles und nichts zu sagen haben. Sie schildern ihre Hoffnungen und Sehnsüchte, zanken sich, interagieren auf Distanz und weigern sich, sich zusammenzutun. In einer Ökonomie, in der hotness gleichbedeutend ist mit Macht, ist diese Art der globalen Erwärmung keine Überraschung – zunehmende Gereiztheit trifft auf steigende Temperaturen. Mehr und mehr voneinander isoliert, halten sie an ihren unpolitischen, apathischen, konsumorientierten Träumen fest.

Im Raum wird diese Welt durch eine Reihe von Skulpturen aus 3D-Drucken, überdimensionalen Cutouts, Gemälden, Perlen und Blumen über den Bildschirm hinaus erweitert. Die Brutalität dieser Mega-Femmes wird deutlich: Riesige, von Adern durchzogene Beine und ein wolliges Schaf dienen als Monumente, um den Maßstab der im Film geschaffenen Welt zu durchbrechen und uns in ihrer klimatisch veränderten Welt zu verankern. Durch die Gegenüberstellung des Verhältnisses zwischen Avataren und Bildschirmen sowie zwischen dem Weiblichen und der Landschaft – einer gängigen Trope feministisch-utopischer Literatur – setzen sich Bassam Issa Al-Sabah und Jennifer Mehigan mit der Frage auseinander, wie wir die Klimakrise verkörpern und von ihr verändert werden. In ihren Überlegungen zur Flachheit des Bildschirms und der damit verbundenen Verflachung der Politik untersuchen sie, wie unmöglich es ist, Recht zu haben, und welcher bürokratische Aufwand damit einhergeht – in einer Zeit, die sich wie das Ende der Welt anfühlen kann.

  1. Uncensored Lilac, Bassam Issa Al-Sabah, 2023

    Film Still

  2. Uncensored Lilac, Bassam Issa Al-Sabah, 2023

    Film Still

  3. Film still, Uncensored Lilac, Bassam Issa Al-Sabah, 2023

Bassam Issa Al-Sabah und Jennifer Mehigan arbeiten gemeinsam an den Rändern ihrer individuellen Praktiken und kombinieren ihre Interessen an Glitch Phänomenen und Körpern, narrativem Filmemachen und Bildern als Ausgrabungsstätte von Normativität. Die präsentierte Szenerie, Bilder und Objekte sind das Ergebnis von Gesprächen zwischen ihnen als Freund:innen und dem Austausch von Fähigkeiten in verschiedenen digitalen Technologien in ihrer jeweiligen Arbeitsweisen.

Uncensored Lilac, eine Auftragsarbeit für transmediale 2024, ist das Ergebnis der kontinuierlichen Zusammenarbeit von Bassam Issa Al-Sabah und Jennifer Mehigan. Issa Al-Sabah war Teil der transmediale x Beta Residency 2023, die vom Arts Council of Ireland International Residency Initiatives Scheme gefördert wurde. Die Ausstellung ist Teil von Zeitgeist Irland 24, einer Initiative von Culture Ireland und der Botschaft von Irland in Deutschland. Mit zusätzlicher Unterstützung von Visual Arts Project Award des Arts Council of Ireland.