2020
Als Teil unseres Einjahres-Festivals und mit dem Wunsch, eine nachhaltigere Infrastruktur für die Auseinandersetzung und die Unterstützung künstlerischer Praktiken zu ermöglichen, haben wir unser Residency Programm erweitert. Neben der laufenden Vilém Flusser Residency in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin heißen wir die ersten beiden transmediale Residents willkommen: Bassem Saad und Natasha Tontey.
Das in diesem Jahr virtuell stattfindende Residency Programm in Kollaboration mit der Martin Roth-Initiative (MRI) unterstützt und fördert Projekte von Künstler:innen, die unter herausfordernden sozio-politischen Konditionen leben und arbeiten. Während der dreimonatigen Residency arbeiten die Künstler:innen an Videoprojekten, die im Rahmen der Ausstellung der transmediale 2021–22 sowie auf der Festival-Webseite präsentiert werden.
Für die Residency vertieft Natasha Tontey ihre Forschungen zur indigenen Praxis des Minahasa-Stammes, einer ethnischen Gruppe aus Nord-Sulawesi, Indonesien. Bekannt sind die Minahasa für ihr auf dem Austausch von Steinen basierenden Handels- und Kommunikationssystem. Es stellt eine Mischung aus Praktiken dar, die ihre Ursprünge sowohl im modernen, kapitalistischen Zeitalter als auch in ihrer Verbindung zur Göttin Gaia haben. Teil der Minahasa-Kultur ist außerdem das kosmologische Prinzip Mapalus: der Akt des Wissenstransfers durch Ehrenamt und gegenseitige Hilfe; eine soziale Währung, die die Ökonomie des Schenkens geprägt hat und deren Transaktionen auf Vertrauen und Gegenseitigkeit beruhen. Tonteys videobasierte Arbeit untersucht die Dynamik der Manahasa-Kosmologie aus der Perspektive zeitgenössischer Digitalkultur und fokussiert ihr Potenzial, eine alternative Welt zu schaffen, in der anthropozentrisches Denken nicht existiert.
Natasha Tontey ist Künstlerin und Grafikdesignerin mit Sitz in Yogyakarta, Indonesien. Sie interessiert sich für die Erforschung von Fiktion als Methode spekulativen Denkens. Dabei stehen insbesondere fiktive Darstellungen der Geschichte um den Mythos von manufactured fears in ihrem Fokus sowie deren Potenzial, Vorstellungen über unsere Zukunft zu beeinflussen.