Akademie der Künste
Die Ausstellung Smile Machines präsentierte Arbeiten, die das Verhältnis von Kunst, Humor und Technologie reflektieren und durch Spott und Kritik die Macht der Medien entlarven.
Die Ausstellung zeigt aktuelle SMILE MACHINES ebenso wie historische Werke: Roboter, die versuchen, mit den Zuschauern zu kommunizeren, aber an den Verspechungen einer idealisierten, funktionellen Technologie scheitern; Installationen und Performances, die den routinierten ablauf des kulturellen und politischen Alltags stören und so an der Oberfläche unserer massenmedialien Gesellschaft kratzen. Die Ausstellung lässt den Besucher in ein Labyrinth aus Simulation, Wiederholung, Absurdität und zuweilen schmerzlicher Ironie einlauchen. Sie hinterfragt fest gefügte Vorstellungen und weckt die Sehnsucht nach dem Unmöglichen.
SMILE MACHINES sind listige Mechanismen, die uns alles, was uns natürlich und unvermeidlich scheint, als fremd und überraschend vorführen: von den Automatismen gesellschaftlicher Spielregeln und unserer von Verfolgungswahn getriebenen Überwachungskultur, bis hin zur vermeintlich fortshrittlichen informationsgesellschaft auf ihrem Weg in eine Welt des totalen Entertainment. SMILE MACHINES zelebrieren die Macht eines humors, der alle Regeln sprengt.
Sechs Schauspielerinnen wurden beauftragt, vor der Kamera so lange wie möglich ein Lächeln aufzusetzen. Jedes Lächeln wurde von einem Emotionserkennungs- System beobachtet, und wann immer der Gradmesser einen Abfall an Heiterkeit feststellte, wurde ein Alarm ausgelöst, der die Versuchsperson zu mehr Ernsthaftigkeit gegenüber der Aufgabe aufrief. Das reale emotionale Unbehagen der Akteurinnen bricht nur während der Pausen durch, die notwendig sind, um die angestrengten Gesichtszüge zu entspannen. Mit dem Nachspielen will Möller auf die zwanghafte Heiterkeit der Entertainment-Industrie verweisen, die nach wie vor von Frauen wesentlich beharrlicher als von Männern das Auftreten als gut gelaunte Moderatorin oder Nachrichtensprecherin erwartet. Durch die bewusst kontextfreie Nachahmung dieser omnipräsenten medialen Repräsentationen in der Blue Box macht Möller umso deutlicher sichtbar, wie unmenschlich die professionelle keep smiling Attitüde eigentlich ist. Die Arbeit basiertauf den Forschungen zur Emotionserkennung der Machine Perception Laboratories der University of California in San Diego.
Valérie Pavia tritt mit wasserstoffblonder Perücke und nackten Schultern vor die Kamera und beschreibt mit lakonischem Tonfall wahllos Lebenserfahrungen. In dem Monolog geht es um Ibis Hotels, Spinoza, bärtige Männer, die Schweiz, BHV Kaufhäuser usw. Beim scheinbar spontanen Dahinreden stellt sie Regeln auf Beobachtungen zu Alltäglichem, Nebensächlichem, Absurdem: Männer mit Bärten riechen nach Erdnuss, TV-Verkäufer sind zwischen 12 und 2 Uhr schwer anzutreffen und mehrals drei Übernachtungen in einem Ibis Hotel machen aggressiv. Der absurde Text bewegt sich irgendwo zwischen Realität, Fiktion und Autobiographie und schafft so etwas Unwirkliches, Übertriebenes, eine Art Cegenwelt. Zu dem Eindruck eines überzogenen Selbstporträts trägt auch Pavias neo-expressiver bis poppiger Umgang mit Bild- und Audiomaterial bei. Überbelichtete Aufnahmen und eine knallige Farbwahl der Bildrahmen unterstützen ihre ironische Strategie der Subversion durch Überaffirmation umso mehr. Zwischen ihren teils intimen Erzählungen und ihrergespielt naiven Haltungsowie der Koketterie mit typischen Attributen von Weiblichkeit, wie etwa roten Schuhen mit Absätzen, entsteht eine feine Ironie.
The installation Slogans is an ironic play by Muntadas on the manipulation of daily life by the media, pointing to the empty promises of the glittering world of advertising. Visitors enter a darkened room, in which there are nine monitors set up, their images endlessly repeating themselves on the mirrored walls. Underscored by an insinuating Easy Listening soundtrack, the monitors show in alternation slogans such as Talk is cheap or Pleasure by design. Taken altogether, these are isolated fragments from commercial advertising, colourful digitalised fragments, the display of which dissolves in the subsequent zoom into an abstract image. The production is a play on the subtle advertising strategies to be met with in public spaces, and in view of the aesthetic similarity of its mode of representation it adds up to a critical statement - though an ambivalent relation between seduction and distanced observation is still deliberately maintained. What Muntadas has undertaken is a visual deconstruction of the advertising slogan, the informative content of which is unmasked as meaningless. It is an invitation to read between the lines, and so question the seductive mechanics of advertising.
Kunstwerken
Maja Bajevic (BA/FR), Back in Black, 2003
Maurice Benayoun (FR), Emotion Vending Machine, 2006
Tamy Ben-Tor (IL/US), Hitler-The Horror and the Horrah, 2003
Dara Birnbaum (US), Technology/Transformation: Wonder Woman, 1978-1979
Ximena Cuevas (MX), Antes de la Television (Before Television), 1983-1999
Paul Demarinis (US), Grind Snaxe Blind Apes, 1997
Robert Filliou (FR), And so on, end so soon, done 3 times, 1977
Robert Filliou (FR), This flag is meant to straddle national order lines, 1974
Jean-Pierre Gauthier (CA), Remue-Ménage, 2000-2006
Stéphanie Gilot (CA), Video Game - World 2, 2004-2006
Jodi (NL), Untitled, 2005
Kim Beom (KR), Untitled (News), 2002
Les Levine (US), I am an artist, 1975
George Maciunas (LT/US), Flux-Smile Machine, 1971
Annette Messager (FR), Ma collection de Proverbes, 1974
Agnes Meyer-Bran Dis (DE), SGM-EISBERG-SONDE / SGM-ICEBERG-PROBE, 2005
Eva Meyer-Keller (DE), Death is Certain, 2004
Christian Möller (DE/US), Cheese, 2003
Antoni Muntadas (ES), Slogans, 1987
Nam June Paik (KR/US), Der Denker - TV RODIN, 1978
Valérie Pavia (FR), C'est bien la Société, 1999
Simon Penny (AU/US), Petit Mal, 1989-2005
Jim Pomeroy (US), Apollo Jest U.A., 1979
Michael Snow (CA), That/Cela/Dat, 2001
The Yes Men (US), Dow Does The Right Thing, 2002-2005
Übermorgen (AU/CH), Bureaucrazy, 2005
William Wegman (US), Selected works, 1970-1978
Norman White (CA), The Helpless Robot, 1987-1996
Alle Informationen zu den Künstlern und Kunstwerken der Ausstellung finden Sie im Ausstellungskatalog.




