July – August
1978 stellte der Philosoph Nelson Goodman die These auf, dass es keine objektive Wirklichkeit gäbe, sondern nur vielfältige, subjektive Welten, die wir konstruieren. Durch unseren Glauben an die grundlegenden Werte dieser Welten erhalten sie ihre Kraft und gestalten so unser gesamtes Leben auf konkrete Weise. Die Filmarbeiten in remote. response. request. II. hinterfragen die Konzepte westlicher Wirklichkeitssysteme – Geld, Privateigentum, Rechtsstaatlichkeit, Grenzen – und setzen so unterschiedliche Formen der (Neu-)Gestaltung von Welten als eine Art von Verweigerung um.
In notes for les sanglières kreiert Elsa Brès eine nichtmenschliche Welt, die die irrtümliche Fiktion menschlicher Herrschaft über die Natur enthüllt. Mithilfe eines algorithmisch gesteuerten Wildschweinrudels als Protagonisten deckt Brès den Irrtum des Anthropozentrismus auf, so dass die Idee unserer Vormachtstellung innerhalb der Ökologie der Erde als eine Illusion erkennbar wird.
Maud Craigie bezieht sich in Indications of Guilt pt.1 auf den Prozess des „bad evidence“, ein Begriff, den die Polizei in den USA für etwas verwendet, das ihre Theorie eines Falls infrage stellt. Diese sogenannten „schlechten Beweise“ beziehen sich auf einen Rechtsgrundsatz, der besagt, dass Ermittelnde, sobald sie eine wahrscheinliche Ursache festgestellt haben, nicht verpflichtet sind, Spuren zu verfolgen, die den oder die Angeklagte entlasten könnten. Mit anderen Worten, der Job einer Ermittler*in ist es, eine hypothetische, narrative Welt zu erschaffen, die auf der Verbindung von Kausalketten und voreingenommener Intuition beruht – ähnlich wie die Intrigen eines Krimis. Craigie greift dieses Vorgehen auf, um auf die alarmierende Häufigkeit von Justizirrtümern innerhalb des US-Rechtssystems aufmerksam zu machen.

