Today, an entrepreneurial subjectivity is becoming the norm in our working, and increasingly, everyday lives. Optimization schemes abound, in the measurement and enhancement of work-efficiency and in relation to our own bodily and cognitive activities (including sleep), often implemented through smart technological means and new spatial regimes. In this article, an offshoot of a long-term collaborative project with filmmaker Marta Dauliūtė, curator and researcher Viktorija Šiaulytė investigates how the entrepreneurial spirit is reaching new heights of work-life integration in the form of co-living startups. These form affective environments for living on a 1:1 scale with your work situation and for the author, reflecting on her own precarious position as an artist, create an uneasy alliance with the biopolitics of digital capitalism. The topic of the entrepreneurial home, self-optimization, and the interlinking of community politics and psychology in the startup model is further explored together with filmmaker Marta Dauliūtė in the research and documentary project Good Life, also described within this text.
As I begin this text, I am sitting in a tiny office space that I rent together with a couple of friends. As of last year, our floor is the only one left in the whole office building that houses individual creative workers and other small or solo companies. The remaining three floors have been occupied by a new experience design company. The sudden influx of mostly male white-collar workers into the nearby lunch places can probably be further explained by the recent arrival of a real estate developer that manages huge premises for co-working in another building nearby. Besides solitary entrepreneurs of Berlin, they also host a few offices of multinational corporations in the city. On the opposite side of the street there is, as I find out online, Wagenburg Lohmühle—a group of people who, since 1991, have been living in construction or transportation trailers, occupying a strip of land that previously belonged to the Berlin Wall.
Thus I am reminded of a similar intersection mapped out by the architecture historian Felicity Scott. She describes the processes of the 1960s that translated the “society of control” and neoliberal governance into architecture through an analysis of forms that either conformed to this societal model or sought for autonomy from it. Scott places the newly introduced concept of the corporate office by architect Kevin Roche in parallel with the concurrent Open Land movement and the formation of illegal farming communes in North California. Whereas Roche’s propositions for the UN Center and the Ford Foundation Headquarters, both in New York, are examples of an understanding of the corporation’s employees as its greatest creative resource that justifies the design in terms of “improved productivity” (in the architect’s own words)2 , the Open Land movement activists manifested an image of seeking “autonomy and withdrawal from the same biopolitical management techniques,” withdrawing “from the points at which these techniques systematically met the body and psyche of contemporary subjects in their everyday lives.”3
Witnessing a similar map coming into shape in front of my eyes is just as useful an anecdote for considering these mechanisms. For the last four years, we have been working together with filmmaker Marta Dauliūtė on the documentary Good Life, mapping out the “entrepreneurial subject”—a subject which, according to sociologists Pierre Dardot and Christian Laval, enacts the new form of neoliberal management. The entrepreneurial self, an identity that goes beyond just mere profession, is a new way power is exercised—a mode of control where the previous mechanisms of discipline and control become internalized in one’s own psyche. As per Pierre Dardot and Christian Laval, “The main innovation of neoliberal technology precisely consists in directly connecting the way a man ‘is governed from without’ to the way ‘he governs from within.’”4 We were curious to document how such an identity is created and reproduced, and found its manifestations in a co-working space, startup incubator or an innovation hub the most interesting incarnation to follow.
Bevor wir überhaupt bemerkten, dass die Co-Working-Raumstruktur buchstäblich in unsere eigenen Räume eingriff und eine Standardform der Organisierung von Arbeitsräumen wurde, erkannten wir bereits, wie unsere eigenen Leben von unternehmerischer Subjektivität eingenommen wurden. Die Figur des unternehmerischen Menschen ist eine Verkörperung der wahrgenommenen Flexibilität, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit, des nie-endenden Opportunismus und eines Imperativs, immer noch mehr zu wollen. Es handelt sich um eine und Weise, in der Welt zu sein. Wenn alle Arbeit als unternehmerisch gesehen wird, dann ist auch die neue Identität der flexiblen Unternehmer*innen an sich nicht starr: Du bist gleichzeitig angestellt, hast einen Honorarvertrag und verrichtest unbezahlte Arbeit. Das ganze Leben wird zum Unternehmen.
Co-Working-Räumlichkeiten sind so gestaltet, dass sie ein solches Leben ermöglichen: Sie sind mit Freizeitmöblierung ausgestattet, bieten räumliche Erweiterungen – von Kabinen für Skype-Gespräche bis zum „nap room“, einem Raum für das Nickerchen am Nachmittag – und zeitliche Strukturen – vom morgendlichen Yogakurs bis zu regelmäßigen Gemeinschaftstreffen. Wie manifestieren sich die Architektur und die Narrative rund ums Co-Working als eine „Technik, die den Körper und die Psyche zeitgenössischer Subjekte trifft“?
Die fortgeschrittenste gegenwärtige Vorlage des Co-Working-Geschäfts ist wohl das Unternehmen WeWork. 2008 als Greendesk gegründet, behauptet WeWork, zum Zeitpunkt meines Schreibens an 456 Orten in 87 Ländern rund um die Welt vertreten zu sein. Geplant ist monatlich eine weitere Neueröffnung. Das Gründungsduo aus dem Unternehmer Adam Neumann und dem Designer Miguel McKelvey betont immer wieder, wie wichtig das „räumliche Programmieren“ für sie ist. Da das Unternehmen nun auch selbst Gebäude entwickeln will, verkündete es 2018 eine dauerhafte Zusammenarbeit mit dem Star-Architekten Bjarke Ingels, dessen Firma BIG zuletzt den neuen Hauptgeschäftssitz von Google in Kalifornien sowie Elon Musks Transportsystem Hyperloop One gestaltete. Nach seiner Mitarbeit an der Expansion des WeWork-Konzepts – in Form einer Schule namens WeGrow – wurde Ingels zum Chefarchitekten von WeWork ernannt.
Neben WeGrow führt die Firma nun ein weiteres Zweiggeschäft namens WeLive ein, das Räumlichkeiten als gemeinsam zu bewohnenden Co-Living-Space anbietet. Alle drei Unternehmen werden von Neumann als Erweiterungen in „eine größere Kategorie des Lebens“ beschrieben:
Co-Living erscheint als logischer nächster Schritt, um die Bedürfnisse des unternehmerischen Subjekts zu erfüllen. Neumanns und McKelveys Unternehmen ist nicht die einzige Vorhut. Es gibt Firmen wie Rent24 in Berlin („work·live·grow“, also „arbeiten·leben·wachsen“) oder The Collective in London („A new way to live, work and play“, eine „neue Art zu leben, zu arbeiten und zu spielen“) und viele mehr. Wir haben einen Monat in einem dieser Co-Living-Startups in Europa verbracht, das auch eine Expansion an 100 Orte weltweit plant. Die gemeinsamen Nenner solcher Räume sind: höhere Quadratmeterpreise als in üblichen Immobilien in der Umgebung, „kuratierte“ Bewohner*innen-Gruppen, Verwaltung durch Selbstorganisierung der Mitglieder, Programme zur persönlichen Weiterentwicklung sowie regelmäßige Catering- und Reinigungsdienstleistungen – was als „serviced living“ bezeichnet wird. Während es Beispiele von Co-Living-Räumen gibt, die aus kleinen Initiativen von unten nach oben entstanden zu sein scheinen, steht hinter den prominenteren Angeboten üblicherweise Risikokapital. Sie werden als Unternehmen mit ihrer üblichen hierarchischen Struktur geführt, mit Geschäftsführung, Personalleitung, Management etc. Obwohl man das vielleicht erwarten würde, scheint sich keiner der Co-Living-Spaces auf die lange Geschichte des gemeinschaftlichen Wohnens zu beziehen – seien es Wohn- und Hausgemeinschaften, Baugruppen, Landkommunen, Kibbuze oder papierne Ideen der Avantgarde-Architekten aus den frühen Tagen der Sowjetunion…
Baugruppen und sogar die Tiny-House-Bewegung wurden herkömmlich als Wunsch nach einer unabhängig-unkonformen Lebensweise oder zumindest als gewisser Anspruch der politischen Autonomie verstanden, die durch Selbstorganisierung und kollektives Handeln erreicht wird.
Menschliche Stärkung ist auch das verbreitetste Versprechen des Co-Living-Geschäfts. Doch folgt sie hier derselben Logik der Stärkung am Arbeitsplatz: Das Angebot einer angenehmen und reibungslosen Erfahrung sowie gesunder sozialer Beziehungen sollen eine größere Produktivität, verbesserte Vernetzungsfähigkeiten und Effizienz garantieren.
Co-Working-Räume sehen immer mehr wie Wohnräume aus und Co-Living-Räume immer mehr wie ein Büro. Beide verwischen die Trennung zwischen Arbeitsleben und Privatleben bzw. Freizeit. Doch der Raum der Gemeinschaft und Selbstorganisierung in der Vision des Co-Living-Geschäfts wird zumindest teilweise vom externen Einfluss des Algorithmus gestaltet. Die „Kultur“, die Neumann ständig als den wichtigsten Teil des Unternehmens betont, ist mit algorithmischer Verwaltung und Datenverfolgung verknüpft.
Technologisch-intelligente Co-Living-Räume verfolgen die Anwesenheit ihrer Bewohner*innen, passen das Kunstlicht in ihren Pods an das entsprechende Tageslicht oder gar ihre Stimmung an und geben ihnen durch die Kontrolltafel ihres persönlichen Bereichs direkte Anleitungen zu mehr Achtsamkeit. Dies sind künftige Entwicklungen, die uns präsentiert wurden, als wir einen Prototyp eines entstehenden Co-Living-Raumes dokumentierten.
In den Augen der Schöpfer dieses Systems geht es hierbei um das gesteigerte Wohlbefinden der Bewohner*innen.
Auch deshalb steht dieses Co-Living wohl nicht in Zusammenhang mit der Geschichte des autonomen und gemeinschaftlichen Lebens, sondern vielmehr mit der Entwicklung der Organisationskybernetik. Dieses Konzept wurde ab den späten 1950er Jahren von Wolfgang und Eberhard Schnelle entworfen und vom Architekten Andreas Rumpfhuber in seinem Buch Architektur immaterieller Arbeit (2013) erforscht.7 Schnelles Modell der Bürolandschaft forderte mit einer Architektur, die sich an Veränderungen in Arbeitsprozessen anpassen kann und eine demokratische Arbeitsatmosphäre heraufbeschwört, einen gleichberechtigten, selbstorganisierten und radikal demokratisierten Arbeitsraum. Durch den Einbezug von Freizeitflächen wurde die Motivation der Arbeitenden in diese Büroarchitektur eingeschrieben. Der Pausenraum war als modernes Wohnzimmer gestaltet, so dass „Reproduktion im Raum der Produktion“ inbegriffen war. Üblicherweise zeigt der Raum der Produktion Rumpfhuber zufolge „die gänzliche Redundanz von Bürogebäuden und Arbeitsplatzarchitekturen im Allgemeinen“ als ein Ergebnis der industriellen und administrativen Automatisierung auf.8
Die Entwicklung des Geschäfts mit dem Co-Working hin zum Co-Living bedeutet nicht nur, dass es nicht ausreicht, im Büroraum inspiriert zu sein und dass Vernetzungsgelegenheiten und Inspiration an 24 Stunden und sieben Tagen der Woche gegeben sein müssen. Sie ist auch eine Reaktion auf die Prozesse, die das Schlafzimmer zum zeitgenössischen Arbeitsplatz erklärt haben. Beatriz Colomina schreibt, dass „zwischen dem Bett im Büro und dem Büro im Bett eine völlig neue horizontale Architektur das Ruder übernommen hat. Verstärkt wird das noch durch die „flachen“ Netzwerke der Sozialen Medien, die im Zusammenbruch der Trennungen zwischen Privatem und Politischem, Arbeit und Spiel, Ruhe und Aktion, selbst gänzlich in professionelle, geschäftliche und industrielle Umgebungen integriert wurden“.9 Es wirkt ironisch, dass ich die letzten paar Zeilen dieses Textes liegend im Bett schreibe; das blaue Licht des Bildschirms streut über die dämmrigen Silhouetten des Raums.
So wie mein eigenes Bett schon zu häufig mein Büro war, erscheint besonders das Bett in einem Co-Living-Space als „Endstadium in der kapitalistischen Eroberung des Wohnens, des häuslichen Raums und der Freizeit selbst“.10
Wenn es im Co-Living-Space kein „Außen“ von der Arbeit gibt und das Leben einem Unternehmen gleicht: so ist der Co-Living-Space die perfekte „Gesellschaftsfabrik“. Eine Gesellschaftsfabrik, die Stefano Harney zufolge ein Ergebnis eines neuen Arbeitsrhythmus ist, der den Menschen weltweit aufgezwungen wird. Harney spricht von einer „zeitgenössischen Betriebsführung“, die mit einem Fließband-Prozess der kognitiven und affektiven Arbeit beschäftigt ist, der kein Außen kennt. Aufbauend auf der Analyse Frantz Fanons merkt er an, dass die erste solche Gesellschaftsfabrik des europäischen Arbeitsrhythmus‘ die Kolonie war, „wo das Subjekt in der Gesellschaft als Ganzes durch die Person mit Arbeitskraft ersetzt wird. In der Kolonie, der ersten Gesellschaftsfabrik, wurde jede Bewegung in Richtung eines anderen gesellschaftlichen Seins als verschwörerisch kriminalisiert und wird das bis heute. Der einzige Klang in der Gesellschaftsfabrik ist der Rhythmus der Arbeit, denn das ist alles, was in einer Fabrik geschehen soll.“11
Wie viele andere Initiativen erinnert uns die (derzeit) noch bestehende Wagenburg Lohmühle, dass es möglich ist, Autonomie von der neoliberalen Regierung des alltäglichen Lebens zu erlangen. Doch das ist schwer umzusetzen, wenn das Leben selbst erst einmal zu einem Unternehmen geworden ist; man muss nicht auf die Übernahme durch eine Co-Living-Firma warten. Wie finden wir die Prozesse, um Unabhängigkeit und Rückzug neu zu bestimmen, wenn sich das Co-Living-Geschäft nicht mit weniger als dem Mars zufrieden gibt?
- 1 Maya Kosoff, “How WeWork became the most valuable startup in New York City,” in Business Insider, Oct 22, 2015. https://www.businessinsider.com/the-founding-story-of-wework-2015-10?IR=T .
- 2 Felicity Dale Scott, Outlaw Territories: Environments of Insecurity / Architectures of Counterinsurgency (New York: Zone Books, 2016,) 70.
- 3 Scott, 111–113.
- 4 Pierre Dardot and Christian Laval, The New Way of the World: On Neoliberal Society (London, New York: Verso, 2013), 264.
- 5 Adam Neumann, “WeWork + Conductor Fireside Chat Keynote” at C3 2018, May 6, 2018, video, 05:17, https://www.youtube.com/watch?v=L1IM-SyFoCw .
- 6 Adam Neumann, “Optimizing space itself with WeWork's Adam Neumann” at Disrupt NY 2017, May 15 2017, video 08:44, https://www.youtube.com/watch?v=-EKOV71m-PY&feature=youtu.be .
- 7 Andreas Rumpfhuber, Architektur immaterieller Arbeit (Wien, Berlin: Turia+Kant, 2013), 72.
- 8 Andreas Rumpfhuber, “Housing Labor, Artificial Labor,” e-flux, June 28, 2017, https://www.e-flux.com/architecture/artificial-labor/140678/housing-labor/ .
- 9 Beatriz Colomina, „The 24/7 Bed“, in Work, Body, Leisure., hg. von Marina Otero Verzier, Nick Axel (Berlin: Hatje Cantz, 2018) https://work-body-leisure.hetnieuweinstituut.nl/247-bed .
- 10 Andreas Rumpfhuber, “Housing Labor, Artificial Labor.”
- 11 Stefano Harney, “Hapticality in the Undercommons, or From Operations Management to Black Ops,”;https://www.academia.edu/6934195/Hapticality_in_the_Undercommons_or_From_Operations_Management_to_Black_Ops , 4.


