| Tagline: | Festival für Kunst und digitale Kultur |
|---|---|
| Venues: | Haus der Kulturen der Welt (HKW), Podewil |
| Date: | 30.01 – 03.02.2008 |
| Organisation: | Kulturprojekte Berlin GmbH |
Do you conspire?
Unter dem Motto CONSPIRE... untersuchte die transmediale.08 dubiose Welten, zweideutige Erzählungen und undurchsichtige Meinungsbildungsprozesse, um die Mittel und Werkzeuge kreativ-konspirativer Strategien kritisch zu erkunden und sie für die Entwicklung neuer digitaler Ausdrucksformen nutzbar zu machen. Bedroht durch verschwörerische Machenschaften im spekulativen Moment des digitalen Zeitalters verschwimmen Fiktion und Wirklichkeit und so manches erscheint plötzlich verdächtig.
Festivalthema
Unter dem Einfluss allgegenwärtige Bedrohungsszenarien weicht unser selbstverständlicher Anspruch auf freiheitliche Grundrechte mehr und mehr dem Bedürfnis nach Sicherheit. Das verschwörerische und spekulative Moment erscheint hierbei als dominierende kulturelle Kategorie des digitalen Zeitalters. Vertrauen und Verdacht werden so zu Gegenspielern im Kampf zwischen Realität und Fiktion, einem Kampf, in dem sich das eine nicht länger vom anderen unterscheiden lässt. Mehr noch, das Internet – und mit ihm unsere Vorstellung von Echtzeit-Kommunikation, ständiger Erreichbarkeit und Mobilität – entpuppt sich als ein gewaltiges, alles umspannendes Mysterium, das in einem kaum wahrnehmbaren Rauschen, rätselhaften Botschaften und einem intensiven Drang zur Introspektion zum Ausdruck kommt. Ist unser Instinkt für Wahrheit und Offenheit in einer globalen Gesellschaft in Gefahr, von dem Spektakel einer diffusen Bedrohung betäubt zu werden?
Mit dem Aufruf zum ,CONSPIRE’ wendet sich die transmediale.08 an all die interdisziplinären Forscher, Medienagenten und Tarnkappen Strategen, die sich diesen unausgesprochenen Verhaltensregeln entziehen und die verborgenen Kodes herausfordern, unterwandern und verfremden, die so sehr in unserer fiktionaIisierten Welt verwurzelt sind. Indem sich die transmediale.08 dem Wesen, der Struktur und Atmosphäre dessen widmet, was wir gemeinhin als Verschwörung begreifen, möchte das Festival die oberflächliche Rhetorik der Post-9/11 Hysterie überwinden, um sich der Verschwörung im Sinne einer Strategie zuzuwenden, als ein gleichermaßen kreatives wie poetisches Phänomen. Und sehnen wir uns letztlich nicht auch nach der flüchtigen Laune des Verschwörerischen? Geben wir uns nicht lustvoll unserem Drang hin, dem Fantastischen einen Sinn abzuringen und den Zufall als Fügung zu betrachten? Als ein Mittel, mit dessen Hilfe das Unbegreifliche erklärbar gemacht werden kann, lässt sich konspiratives Handlen als kulturelle Bedingung begreifen, die jenseits von Geschichte, Kultur, Tradition, Geografie oder Ideologie zu verorten ist - als wesentliches Arkanum unserer Zeit.
Vorwort zum Festivalkatalog
Mit dem diesjährigen Thema CONSPIRE... leitet das Festival eine neue Ara voller spekulativer und kreativer Unternehmungen ein. Mein persönlicher Dank gilt in erster Linie der Initiative und unermüdlichen Energie meiner Vorgänger: Micky Kwella, der die Grundlagen und Konturen dieser Veranstaltung geschaffen hat und jenseits etablierter Kunstvorstellungen schon früh die Bedeutung der,Neuen Medien' erkannt hatte; ebenso Andreas Broeckmann, der beherzt diese hybride und höchst instabile, interdisziplinäre Kunstform erforschte und eine der weltweit angesehensten Veranstaltungen ihrer Art schuf. Mit der Rückkehr ins Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) – einst selbst (konspirative?) Gabe an eine ideologisch geteilte Stadt - setzt sich die transmediale dafür ein, die immanente Rolle der digitalen Kunst und Kultur als wesentliches Element unserer gegenwärtigen, globalisierten Gesellschaft hervorzuheben. Die Zusammenarbeit mit dem HKW ermöglicht es uns in diesem Jahr eine umfangreiche kuratierte Ausstellung zu präsentieren, die unser umfangreiches Festivalprogramm (Screenings, performativer Lounges und Konferenz) ergänzt.
Mit dem transmediale parcours, dessen erste Titel ,Conspire.‘ lautet, startet die transmediale eine neue Buchreihe, die das Festival künftig begleiten und ergänzen wird.
Qualität, Umfang und Tragweite, mit der die transmediale all ihre Projekte verwirklicht und die Verbindung zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft einem breiten lokalen und internationalen Publikum nahe bringt, wäre ohne die finanzielle Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes nicht möglich. Ebenso unterstützt uns die Bundeszentrale für politische Bildung und ermöglicht so die Teilnahme weltweit bedeutende Persönlichkeiten an unserer Konferenz. Das Medienboard Berlin Brandenburg verstärkt die weiteführende Entwicklung des regionalen transmediale-Netzwerks und dem Außenministerium der Bundesrepublik Deutschland ist es zu verdanken, dass international angesehene Künstler teilnehmen können, die ihr Wissen über kulturelle, wirtschaftliche und edukative Entwicklungen einbringen.
Ebenso wichtig wie die öffentlich geförderten Beiträge sind die Kooperationen mit ansässigen Firmen, wie Serve-U, die unsere Vorstellung von kreativer Partnerschaft teilen. Gravis stellt eine gesonderte transmediale-Künstler aus und stiftet den transmediale Award. Angelehnt an die Eröffnung des_Vilem_Flusser Archivs in der Berliner Universität der Künste (UdK), hat das Festival einen weiteren Preis ins Leben gerufen, der dem tschechischen Kulturtheoretiker, Kunstkritiker und Medienphilosophen gewidmet ist. Außerdem hat die transmediale gemeinsam mit dem Marshall McLuhan Salon der kanadischen Botschaft in Berlin die neue Vorlesungsreihe der McLuhan Lectures initiiert.
Als schützendes Dach steht die Kulturprojekte GmbH über der transmediale und gibt uns die Gelegenheit, uns auf die Hauptsache unserer Arbeit zu konzentrieren, das Festival zu gestalten. Ohne das wirklich großartige transmediale Team, und unseren Beirat, wäre die transmediale nicht das, was sie geworden ist. Deshalb gilt mein Dank jenen, die mir - als neuem künstlerischem Leiter - vertrauensvoll zu Seite stehen und gemeinsam in die erfolg-versprechende Zukunft blicken.
Stephen Kovats
Das Programm präsentierte eine Reihe von Künstlern, die sich mit unausgesprochenen Codes und subversiven Mystifizierungsstrategien gegenseitig enttarnten, verfremdeten und herausforderten. Unter anderen waren internationale Wissenschaftler auf einer mehrtägigen Konferenz anwesend, um sich über internetbasierende Netzwerke, drohende Verschwörungsrealitäten und die damit verbundene Angst und schließlich mit ethischen, ästhetischen und juristischen Fragen auseinanderzusetzen. Die Ausstellung sowie das Film- & Video-Programm widmeten sich zudem auch anti-konspirativen Strategien und die verschiedenartigen Performances thematisierten auf unterschiedliche Weise Aspekte des weltumspannenden Internets. Die Jury-Sitzung verkörperte in ihrer geheimen, von Macht durchtränkten Struktur die Verschwörung schlechthin: von außen nicht nachvollziehbare Dynamiken, Entscheidungen und Wendungen brachten scheinbar ganz zufällig einen Sieger hervor.
transmediale Award
Dieser Preis widmet sich aktuellen Positionen in der digitalen Kunst und Medienkunst und ist ein offener Wettbewerb, zu dem Künstler*innen eingeladen sind, ihre aktuellen Arbeiten einzureichen. Die Jury des diesjährigen Wettbewerbs bestand aus Olga Goriunova, Nat Muller, Florian Wüst, Mihaela Vasile und Wonil Rhee.
Vilem Flusser Theory Award
Um der wachsenden Zahl theoretischer und kritischer Praxisarbeiten, die für den Wettbewerb eingereicht wurden, Rechnung zu tragen, kündigte das Festival die Schaffung dieses Preises an. In Zusammenarbeit mit dem kürzlich eröffneten Vilem Flusser Archiv an der Universität der Künste in Berlin.
Das Festivalheft enthält das Programm, Kunstwerke und Texte dieser Festivalausgabe. Der transmediale parcours macht sein Debüt als Pilot-Publikation mit CONSPIRE. Der erste transmediale parcours verwebt eine Serie von Textbeiträgen sowie Kunstwerke und spürt dabei zeitgenössischen verschwörerischen Diskursen durch Kunst und digitale Kultur nach.
Team
Stephen Kovats Artistic Director, Thomas Munz Editor & Program Curator, Nataša Petrešin-BachelezExhibition Curator, Magdalena Rothweiler Festival Manager, Sibylle Kerlisch Production Director, Laleh Torabi Graphic Design, Annette Schäfer Press, Ulla Drenckhan, Achim Müller Marketing and Strategy, Alejandra Pérez Núñez, Stefan Riekeles Program Co-Curators, Diana Artus Associate Editor, Franziska Bornefeld Press Assistant & Public Relations, Valeska Bührer Assistant Curator, Tina Ebner Festival Management Assistant Markus Huber Conference Program Klaus Scheuermann External Events Coordinator Shilla Schlüsslmayr, Wolfgang Wirsching Program Interns Jonathan Gröger Photography serve-u, Phillip Sünderhauf, Andreas Buchholz Technical Directors Ludmila Demke, Marc Klische Assistants to the Technical Directors Maaskant, Ruth M. Lorenz, Robert Hoffmann Interior Festival Design Britt Dunse Web Design, Tim Kleigrewe Web Programming Britt Dunse + club real Video Trailer Kassian Troyer Sound Video Trailer Sara Tirelli Video Documentation Alejandro Duque Live Streaming
Advisory Board Alex Adriaansens, Marie Cathleen Haff, Saskia Sassen, Yukiko Shikata, Siegfried Zielinski
Support
gefördert durch: Kulturstiftung des Bundes
Sponsoren: Medienboard Berlin Brandenburg, Bundeszentrale für politische Bildung, Auswärtiges Amt, Skoda, GRAVIS, serve-u technical support
Medienpartnern: arte tv, brand eins, radioeins, die tageszeitung, TELEPOLIS, Zitty Berlin
Partnern: Avid Technology GmbH Bureau des Art Plastiques / CulturesFrance - Französische Botschaft, DIRAC - Dirección de Asuntos Culturales, Ministerio de Relaciones Exteriores Gobierno de Chile, Echoo Konferenz Dolmetschen, Deutsche Gesellschaft für Technische, Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, Film und Video Print, Historisch-Technisches Informationszentrum Peenemünde, IN-Berlin, Maison d’Ailleurs, Ministry of Culture of the Republic of Slovenia, Office for Contemporary Art Norway, Oktoberdruck, V2_ Institute for the Unstable Media, Yamaguchi City Foundation for Cultural Promotion
Support: Australian Embassy Berlin, Bionade, Botschaft der Republik Chile, Botschaft der USA, Botschaft von Finnland, Botschaft von Kanada, Collegium Hungaricum Berlin. Deutsche Wochenschau, dockswiss, Goethe Institut, Gunter Dowe Modellbau, Österreichisches Kulturforum Berlin, Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Schwedische Botschaft, Tonbüro

