transmediale '98
BESTANDSAUFNAME SEHEN / STOCKTAKING VISION
Tagline: 11․ VideoFest
Venues: Podewil
Date: 12.02 – 22.02.1998
Organisation: transmediale Kulturveranstaltungs-GmbH, Podewil
Website: https://pastwebsites.transmediale.de/98/index.html

Zum ersten Mal in seiner Geschichte steht das Festival unter einem Motto: BESTANDSAUFNAHME SEHEN. Es wurde eine Bilanz gezogen, was uns denn das Fernsehen und all die neuen Medien bislang gebracht haben.

Vorwort zum Festivalkatalog

WANDEL VideoFest - transmedia - transmediale.

1988 aus dem „internationalen forum des jungen films" hervorgegangen, fand das VideoFest neun Jahre lang parallel zu den Berliner Filmfestspielen statt. Ausgerechnet im 10 Jubiläumsjahr mußten wir den Termin verschieben, da ein Teil der finanziellen Mittel zu spät bewilligt wurde. Und wir hatten den Namen des Festivals In transmedia geändert. Kein VideoFest im Februar 97, für so manche schien es einen stillen Tod gestorben und transmedia im Mai etwas ganz Anderes zu sein. Nun, wir konnten zurückgehen in den Monat Februar, und dort werden wir bleiben. Wir haben den neuen Namen noch einmal feingeschliffen, um den Festivalcharakter deutlicher werden zu lassen.

Der terminliche und namensmäßige Wandel Ist jedoch nicht der einzige, den wir im Zyklus 97 / 98 vollzogen haben. Da ist der Wechsel des Trägers. Eine Dekade lang hat Mediopolis Berlin e.V. (früher MedienOperative Berlin e.V.) das große finanzielle Risiko ausgehalten Jahr um Jahr das Festival mit jeweils Hunderttausenden von Mark vorzufinanzieren. Doch schlußendlich konnte der Verein diese Bürde nicht mehr auf sich nehmen, da auf kulturpolitischer Seite nicht genug geschah, was das Risiko minimiert hätte. Mediopolis hat im Lauf der Jahre eine sechsstellige Summe und unendlich viel Energie investiert (von infrastrukturellen Beistellungen in erheblichem Umfang einmal abgesehen), damit das VideoFest/die transmediale das werden konnte, was es ist: eines der größten und renommiertesten internationalen Festivals seiner Art. An dieser Stelle sei Mediopolis ausdrücklich für das enorme Engagement gedankt. Der Verein hat eine Vision mitgetragen, die vordem Beginn des Hypes um Neue Medien und Multimedia auf eine neue Form von Medienkultur ausgerichtet und fest davon überzeugt war, diese Stadt brauche eine Festival, das den Wandel dokumentiert und dem Diskurs aussetzt. Stellvertretend seien die Namen von vier Personen genannt, die sich besonders unserer Idee verpflichtet gefühlt und uns entsprechend unterstützt haben: Hartmut Horst, Matthias Behrens, Pim Richter und Jörg Rothe.

Neuer Träger des Festivals Ist die Berliner Kulturveranstaltungs-GmbH zu deren Projekten u.a.das Podewil gehört, in dem wir jetzt auch unsere Büroräume haben. Die Kooperation hat höchst erfreulich begonnen und wird die Berliner Medienlandschaft bereichern: Im November haben wir zusammen mit dem Podewil die vierzehntägige Veranstaltung inmedia talk / show aufgenommen, die Präsentationen von medialen Produkten bietet ebenso wie medienkulturelle Diskurse. Andere Arten von Veranstaltungen werden folgen.Wir danken Willi Großmann und Margrit Hohlfeld für den guten Auftakt.

Wandel, eine weitere Konstituente: Zum ersten Male arbeiten wir in bedeutendem Umfang mit Gastkuratoren. Die Beschleunigung der Entwicklungen im Medienbereich ist immens, kein Individuum kann die Neuerungen in den Medienterritorien Video,Television und Multimedia gleichzeitig im Auge behalten. Wir tragen dem Rechnung, indem wir teilweise delegieren: In der Videolandschaft sind wir zuhause, da gestalten wir das Programm, ziehen gleichwohl Fachleute hinzu wie Rudolf Frieling von derMediathek des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (von 1989 bis 1994 Mitarbeiter des VideoFests) oder Andreas Heineke, Programmchef Musik von MTV.

Die Sektion Multimedia wird kuratiert von Michael Klein, Leiter des Instituts für Neue Medien in Frankfurt. Die Geschichte der Computeranimation, die so noch nirgends zusammengetragen wurde, bereiten Steven Bode und Mike Jones von der alteingesessenen Distribution Film and Video Umbrella, London, für uns auf. Thomas Beutelschmidt, der 1997 die erfolgreiche Oberhausener Ausstellung „DerTraum vom Sehen" zur deutschen Fernsehhistorie kuratiert hat, betreut unseren Bereich Television. Für die Medienkunst-Installationen ist im vierten Jahr Axel Bohse vom Foro Artistico, Hannover, zuständig. Zum ersten Mal in seiner Geschichte steht das Festival unter einem Motto: BESTANDSAUFNAHME SEHEN. Wir ziehen eine – eklektizistische – Bilanz, was uns denn das Fernsehen und all die neuen Medien bislang gebracht haben. Und werden 1999 einen Ausblick wagen: ZUKUNFT SEHEN. Im Jahr 2000 werden wir dann eine vollkommen neue Festivalform erproben.

Nur zweierlei bleibt beim Alten: Unser Anspruch auf hohes Niveau und der Wunsch für unsere Gäste und Besucher, daß sie sich ebenso unterhalten wie angeregt fühlen mögen. Wir bieten Lust für die Sinne, Widerhaken im Hirn und produktive Kommunikation.

Micky Kwella / Johannes Lenz-Hawliczek Leitung

  1. transmediale'98 catalogue scan

  2. Volker Schreiner, Passage, 1994

  3. Studio Azzurro, Coro, 1995

    Catalogue scan

Programmübersicht

In Anlehnung an die Terminologie des Fernsehprogramms war das Programm der transmediale während der zehn Festivaltage in verschiedene Abschnitte unterteilt: Focus, Spot, Primetime, Extra und Nightflight. Focus brachte täglich am Nachmittag Präsentationen, Informationen und Diskussionsrunden. Am frühen Abend gab es im Spot informative Präsentationen. Bei Primetime wurde das Hauptprogramm mit internationalen Videos, Computeranimationen und TV-Produktionen präsentiert, das am späten Nachmittag bei Extra wiederholt wurde. Nighflight – eine Hommage an die Late-Night-Varieté-Fernsehshows der 80er und 90er Jahre – bot ein Programm für besondere Geschmäcker: Filmvorführungen, Talkshows und Performances bis Mitternacht.

Preise

Preise wurden an Werke aus den Bereichen Video, Fernsehen und Multimedia vergeben, die sich durch herausragende Kreativität auszeichneten und zur Weiterentwicklung des Mediums beitrugen, in dem sie entstanden waren, oder die sich mit wichtigen sozialen Themen befassten, die sonst vernachlässigt wurden.

Die transmediale-Auswahlkommission (Micky Kwella, Susanne Jaschko sowie, nur für die Bewertung der Video- und Fernsehbeiträge, Knut Gerwers) reichte ihre Nominierungen bei der internationalen Jury ein, die sich wie folgt zusammensetzte: Simon Biggs, Computerkünstler (GB), Robert Cahen, Videoregisseur (F), Jo Eckhardt, Leiter des Videoforums des Neuen Berliner Kunstvereins (D), Angela Haardt, ehemalige Direktorin der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen (D), Jochen Wolf, Redakteur beim NDR Fernsehen (D).

Festivalpublikationen

Der Festivalkatalog enthält umfassende Informationen zu allen im Rahmen der transmedia '98 stattfindenden Veranstaltungen sowie gezeigten Werke.

Team

Micky Kwella Direction, Johannes Lenz-Hawliczek Direction, Micky Kwella, Susanne Jaschko, Anke Hoffmann Curators, Michael Lenz Press, Elisabeth Breitkopf Press, Jutta Franzen, Sybille Candea, Claudia Tomassini Organization, Claudia Tomassini, Johannes Lenz-Hawliczek Sponsoring, Matthias Behrens, Andreas Harder, Hannes Ickert Technical Support

Program Micky Kwella (Guidance), Susanne Jaschko (Assistant), Dr. Thomas Beutelschmidt (Television) Axel Bohse (Installations), Knut Gerwers (Video Selection)

Section Multimedia in cooperation with Institute for New Media, Frankfurt/Main, Curator: Dr. Michael Klein Computer Animations in cooperation with Film and Video Umbrella, London, Steven Bode, Mike Jones Music Videos in cooperation with MTV Germany, Andreas Heineke

Advisory Board Stefaan Decostere, Anne-Marie Duguet, John Hanhardt, Wulf Herzogenrath, Joachim Sauter

Support

Gefördert durch: Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Hauptstadtkulturfonds, Europäische Kommission

Sponsoren: apple, panda soft, Contrib.Net, Bankhaus Löbbecke & Co., Berliner Kindl

support und partners: radioeins, Quadral The Sound Company, Schenker Eurocargo, INM Institut für Neue Media, SVV Video Vertrieb GmbH, Möbel-Hübner, Istituto Italiano di Cultura, Foro Artistico, Video Vox, Mediopolis Berlin e.V.

Dank an folgende Personen Reiner Bumke and Andreas Schmid