Die Gestaltung von Programmiersprachen wird oft als schwierig und unnötig angesehen und bleibt daher meist Stiftungen überlassen, die primär Unternehmensinteressen dienen. Esolangs, die „esoterische“ Klasse von Programmiersprachen, bieten eine radikale Alternative. Sie setzen Praktikabilität nicht als oberste Priorität, sondern erkunden alternative Methoden des Codings – und neue Gründe, es zu tun. Sie ermöglichen es Programmierer:innen, Software durch Pfeifen, durch die Affektwirkung von Text, durch das Schreiben in indigenen Sprachen und Narrativen, oder sogar durch die Verweigerung, einen Algorithmus in geschriebener Form festzuhalten, zu entwickeln.
Eine Sprache mag von einer einzelnen Person entworfen werden, aber sie ist selten das Werk einer Einzelperson. Ihre volle Ausdruckskraft entfaltet sich erst, wenn eine Community von Anwender:innen sie erkundet, ihre Nuancen entdeckt und ihren Charakter entwickelt. Die besten Esolangs übertreffen die Absichten ihrer Schöpfer:innen – sie werden lebendige Sprachen.
In einer Zeit, in der Coding zunehmend zu einem KI-gestützten Abonnementdienst zu werden droht, zeigen Esolangs, wie wir uns von Unternehmensinteressen lösen und Sprachen für unseren eigenen Gebrauch, aus unseren eigenen Gründen erschaffen können.