Mittlerweile sind alle Bereiche unseres heutigen Lebens von einer verschwörerischen Weltanschauung durchdrungen. Ob öffentliches Gesundheitswesen, demokratische Institutionen, wissenschaftlicher Rationalismus oder Annahmen eines leistungsabhängigen Fachwissens – sie alle wurden bis zu einem gewissen Grad von paranoiden Formen der Sinnstiftung überholt. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen Verschwörungstheorien, die gemeinhin als wahnhaft oder gefährlich gelten, und kritischen Untersuchungsmethoden zur Aufdeckung von Macht- und Ausbeutungssystemen. In seinem Vortrag geht Robert Gerard Pietrusko dem „düsteren Optimismus“ der Verschwörungstheorien nach sowie der Frage, in welcher Form diese politische, institutionelle, finanzielle und technologische Strukturen neu gestalten könnten. In Anlehnung an das, was Paul Ricœur als „Hermeneutik des Verdachts“ bezeichnete, untersucht Pietrusko das imaginative Potenzial konspirativer Denkstile, um zu einem „düsteren Optimismus“ als neuer und notwendiger Erkenntnis für das Leben mit globaler Unsicherheit anzuregen.