Containertechnologien
Was bedeutet es, zu halten: als technologische wie als kulturelle Praxis? Und welche alternativen Narrative über Technologie eröffnen sich, wenn wir aufhören, sie als Werkzeug der Eroberung zu denken? Die Autorin Ursula K Le Guin hat vorwiegend Science Fiction und politische Utopien geschrieben und dabei vorgeschlagen, die Geschichte der Menschheit nicht als Heldenerzählung zu denken, sondern als die Geschichte dessen, was wir tragen, was wir sammeln, aufbewahren und weitergeben. Die Tragetaschentheorie der Fiktion (1986) bildet den Ausgangspunkt eines feministischen Gegenentwurfs zur dominanten Erzählung der Technologiegeschichte. Anhand von Fragen zu Infrastruktur, Fürsorgearbeit sowie dem Zusammenhang von spekulativen Feminismen und dem politischen Potential von Science Fiction sind Marina Naprushkina und Hannah Wallenfels miteinander im Gespräch, moderiert von Anna-Lena Panter.
Die Gesprächsreihe conversation pieces nimmt Technologien des Alltags zum Ausgangspunkt und situiert diese im Kontext des Schwimmbads. Jede Ausgabe geht von einem Text aus, der den thematischen Rahmen bildet und als gemeinsamer Bezugspunkt dient. Eingeladen sind Gäst:innen, die sich aus künstlerischer, theoretischer oder technologischer Perspektive mit dem Thema auseinandersetzen und ihre Gedanken oder eigene Arbeiten im Austausch dazu teilen. Hier, wo wir schwerelos im Wasser treiben können und das plätschernde Wasser ein anregendes Grundrauschen bildet, stellt sich auch die Frage, welche Technologien uns tragen und welche uns stattdessen mit (nach unten) reißen. In Kooperation mit transmediale festival, kuratiert von Anna-Lena Panter.
Marina Naprushkina ist eine interdisziplinäre Künstlerin. Sie entwickelt Netzwerke, Strukturen und Räume, die auf Selbstorganisation basieren, und arbeitet sowohl in institutionellen als auch in unabhängigen Kontexten. Im Jahr 2007 gründete sie das Office for Anti-Propaganda, eine Plattform zur kritischen Untersuchung von Machtverhältnissen und der in nationalstaatlichen Strukturen verankerten Gewalt. Naprushkina untersucht Möglichkeiten und Formen der Resilienz, feministische Narrative und Care-Netzwerke, geprägt von intersektionaler und feministischer Kritik. Seit 2013 ist sie Mitbegründerin der Initiative Neue Nachbarschaft/Moabit, die sich dem Aufbau einer solidarischen Gemeinschaft zwischen Menschen mit und ohne Migrationserfahrung widmet.
Hannah Wallenfels fragt in verschiedenen Kontexten, wem Denken gehört und wer als Denkerin gilt. An der Schnittstelle von Philosophiegeschichte und feministischer Theorie untersucht sie aktuell, wie Autorinnenschaft und Autorität entstehen und sich verschieben, und lehrt dazu an verschiedenen Universitäten. Als Mitgründerin des Theoriekollektivs diffrakt entwickelt sie außerdem kollektive Formate jenseits des klassischen Vortrags: Veranstaltungsreihen, Workshops, Lesegruppen – zu Themen wie Care-Arbeit, Cyberfeminismus, Kanonkritik und Science Fiction.
Die Gesprächsreihe conversation pieces wird kuratiert von Anna-Lena Panter im Rahmen der Kooperation von transmediale x Tropez.
