installation
Journey to You

Kasra Jalilipour, Journey to You, 2026

Journey to You, markiert die erste Iteration eines neuen Werkkomplexes, der Queerness in der iranischen Kultur des 19 Jahrhunderts entlang der Geschichten von häuslicher Arbeit, Mythos und Aberglauben untersucht. Im Zentrum der Arbeit steht eine Laserprojektionsanimation eines „persischen Zauberteppichs“ – ein Motiv, das aus Jalilipours Recherche zu persischen Teppichornamenten, homoerotischen Bildwelten in persischen Manuskripten und klassischer Sufi-Literatur hervorgegangen ist.

Die Laseranimation zeigt zwei Frauen im Stil der Qajar-Zeit, in einer intimen Geste, frei und schamlos exponiert, fliegend auf dem Zauberteppich. Das Bild der beiden Frauen entstammt Gemälden aus einem persischen Sexualmanuskript des 19 Jahrhunderts mit dem Titel Lizzat Al-Nisa (Pleasure of Women), einem reich illustrierten Text, der Begehren, Intimität und heterosexuellen Sex verhandelt und den Jalilipour digital bearbeitet hat, um queere Szenarien zu erzeugen.

Über das, was er als „spekulative historische Artefakte“ beschreibt, schlägt Jalilipours Praxis eine Brücke zwischen archivarischer Dokumentation und imaginativer Erzählung. Mithilfe gegenwärtiger Technologien materialisiert er queere Vergangenheiten, deren konkrete Erscheinungsformen systematisch verhindert wurden. Der persische Teppich nimmt in der iranischen Kultur eine zentrale Stellung ein – sowohl als häusliches Objekt als auch als Objekt von ökonomischem Wert. Ein klassisches Teppichmotiv ist der Garten, eine Darstellung von Pardees (Garten Eden auf Farsi) beziehungsweise Paradise (auf Englisch). Indem Jalilipour explizit queere Bildwelten in dieses sakrale Objekt einschreibt, formuliert er ein politisches Statement: Queere Menschen sind untrennbar mit der iranischen Geschichte verbunden, und auch romantisierte Vorstellungen des Jenseits gehören uns. Der Zauberteppich – jenes exotisierte Fortbewegungsmittel, das im folkloristischen Erzählen oft Außenseiter:innen vorbehalten ist – wird zu einem Vehikel queerer temporaler Mobilität, das unterdrückte Geschichten im zeitgenössischen Raum zur Erscheinung bringt.

Das Format der Laserprojektion ist für diese Neuimagination zentral. In Zusammenarbeit mit Animator:innen und Programmierer:innen übersetzt Jalilipour handgezeichnete Bilder in eine Laseranimation mit reduzierter Bildfrequenz und erzeugt so, wie er es beschreibt, eine „magische Atmosphäre“. Dieses kurze, verdichtete Format funktioniert wie ein symbolisches Ritual – es destilliert Jahrhunderte ausgelöschter queerer Existenz in sich wiederholende Gesten von Intimität und Fürsorge. Die Arbeit nimmt die prägenden Eigenschaften digitaler Präsentation auf – Reproduzierbarkeit, räumliche Adaptierbarkeit, Zirkulation – und bewahrt zugleich jene auratische Qualität, die traditionell mit sakralen Objekten und Museumsartefakten assoziiert wird.

In der Laseranimation erscheint zunächst eine vereinfachte Version des Bildes, beinahe wie ein Werbeschild, das für queere, im Archiv verborgene Geschichten wirbt. In der erweiterten Animation sind die Frauen von Objekten umgeben, die von unterschiedlichen Ritualen und Traditionen iranischer Frauen inspiriert sind, wie sie in Kulsum Naneh dokumentiert wurden – einem klassischen persischen Text, der Bräuche, intime Praktiken und soziale Rituale von Frauen in verschiedenen Regionen Persiens festhält. Es handelt sich um Wissenssysteme, die jenseits patriarchaler Archivstrukturen existierten.

Diese Auftragsarbeit steht für das Engagement von HERVISIONS , Künstler:innen zu unterstützen, die digitale Werkzeuge einsetzen, um koloniale und heteronormative Geschichtsnarrative infrage zu stellen. Jalilipours Praxis würdigt das kuratorische Selbstverständnis der Agentur, neue Technologien nicht als Bruch mit kultureller Tradition zu begreifen, sondern als Mittel, um sichtbar zu machen, was systematisch ausgelöscht wurde – und Räume zu schaffen, in denen queere iranische Geschichten materialisieren und zirkulieren können. Jalilipour verwandelt den persischen Zauberteppich vom orientalistisch aufgeladenen Objekt in eine queere Zeitmaschine, in der laserprojizierte Animationen queerer Intimität im Stil des 19 Jahrhunderts endlos zirkulieren – historische Wiederaneignung vollzieht sich hier nicht trotz, sondern durch jene technologische Reproduzierbarkeit, die es unterdrückten Narrativen erstmals erlaubt, zu bestehen und fortzuwirken.

Diese von Arts Council England geförderte Auftragsarbeit markiert eine Rückkehr zu HERVISIONS’ Gründungsidee: digitale Künstler:innen zu fördern, die Technologien nutzen, um dominante Narrative herauszufordern und neue Mythologien zu entwerfen. HERVISIONS positioniert Technologie nicht als Abkehr von Tradition, sondern als Werkzeug zur Wiedergewinnung und Neuimagination übersehener oder verborgener Geschichten.

Kasra Jalilipours Journey to You entsteht in Zusammenarbeit mit transmediale 2026, deren Festival By the Mango Belt & Tamarind Road: Compassing, Protocoling, Metaphoring Technologie als weltbildende Kraft versteht, geformt durch historisch marginalisierte Geografien und Epistemologien. Die Arbeit resoniert mit dem Schwerpunkt des Festivals auf „Pluriversalität“ und situierten Praktiken und nutzt digitale Medien, um ausgelöschte queere Geschichten zurückzufordern und spekulative Räume zu schaffen, in denen unterdrückte iranische Narrative materialisieren, zirkulieren und fortbestehen können.

Kollaborativ mit Animator:in und Programmierer:in übersetzt Kasra handgezeichnete Bildwelten in limitierte Einzelbild-Laseranimationen und veranschaulicht damit, was @hervisions_ als „laser grammar“ bezeichnet: Laser werden nicht bloß als Projektionswerkzeuge verstanden, sondern als syntaktische Akteur:innen, die Informationen durch zeitbasierte Aktivierungen schreiben, löschen und neu sequenzieren.

Kasra Jalilipours Installation wird gemeinsam von HERVISIONS und transmediale präsentiert.

Kasra Jalilipours Installationen wird von HERVISIONS und transmediale gemeinsam präsentiert.

Soundscape Title: Journey to You, Iteration 2.
2026

Soundscape von The Silver Field.
Teil 3 von Gisou Golshani, Gedicht von Tahirih Qurrat All-Ayn.

Laserprogrammierung: Libby Lobberson