Bad People, Bad News

2021, film, 40'

Cemile Sahin, Bad People Bad News, 2021, Filmstill

Historischer Ausgangspunkt für Bad People, Bad News bildet die Geschichte um das von Saddam Hussein 1989 errichtete Monument „Schwerter von Kadesia“. Dieses besteht aus zwei Triumphbögen mit je 43 Meter langen Schwertern, die von zwei aus dem Boden ragenden Armen gehalten werden. Arme und Hände für das Monument wurden in Europa hergestellt und sollen von Hussein stammen, von dem es heißt, dass er selbst mehrere Doppelgänger gehabt hat. Eine Kopie seines Fingerabdrucks lagerte im Safe der Londoner Kunstgießerei und sorgte bei Husseins Festnahme und der Frage um seine Identität für Aufsehen. Ausgehend von der Entstehungsgeschichte des Monuments thematisiert die Installation die Frage, wie Ideologien von Diktaturen ein Teil der Geschichtsschreibung werden. Sie steht im Kontext der Auseinandersetzung mit der Propagandamaschinerie der terroristischen Miliz „Islamischer Staat“ und seinen grausamen Strategien der Zerstörung von Archiven und Monumenten, des Raubs und Verkaufs von Kunst- und Kulturgütern sowie der medialen Selbstinszenierung in Kulturstätten wie Palmyra.

In einem essayistischen Film werden die verschiedenen Kontexte, Geschichten und Inhalte von drei kurdischen Frauen erzählt und verwoben. Sie treffen sich jedes Jahr in einer anderen Präsidentensuite eines Hotels, um den Tod des Ex-Präsidenten und Diktators Saddam Hussein zu feiern. Im Zentrum steht dabei eine Box, die sie immer bei sich tragen. Ein Archiv mit Zeichnungen, Texten und Ereignissen, das sie nach dem Tod Husseins angelegt haben. Aus diesem Fundus schöpfen sie Details und Stichwörter, die ihre Geschichten in immer wieder neuen Teilen in Gang setzen. Auf diese Weise formiert sich eine Gesamterzählung über Staaten, Diktaturen, Monumente, Terror und Fragen um Macht und Deutungshoheit, Original und Fälschung. Der Film widersetzt sich der Inszenierung von Medienbildern, indem diese gänzlich ausgespart werden, und verhandelt die Möglichkeiten des Erinnerns an sich, denn er erzählt eine Geschichte über das Verschwinden.

Die essayistische Filminstallation wurde ursprünglich für die Ausstellung "Arbeit am Gedächtnis – Transforming Archives" der Akademie der Künste, Berlin produziert und ist noch bis zum 19. September zu sehen.

Von und mit: Hatice Aktaș, Gülistan Durç, Gülizar Karagöz

Baran Hêvî, Paul Niedermayer, Sozdar Koçer, Konstantin von Sichart, Arez Asso Anwar, Antonia Lange, Niklas Binzberger, Nicolas Keil, Tobias Gringel, Max Heesen, Venus Nemitz, Anna Philippa Müller, Dastan Jasim, Leyla Yenirce, Eren Kılıç, Kadir Doğan, Şahin Özel, Daniel Erlemann, Diljar Boseli, Caio Soares, Jens Crull