- Geomorphisms
In diesem Vortrag führt Manthia Diawara in die Poetik Édouard Glissants ein – oder in das, was Patrick Chamoiseau als die poecepts of the mangrove bezeichnet hat. Ausgehend von Überlegungen zur Geomorphologie und von Glissants Aufforderung, „dem Zittern des Anderen zuzustimmen und mit ihm zu beben“, erkundet Diawara diese Konzepte als mögliche Antworten auf gegenwärtige ökologische Krisen, die häufig unter dem Begriff des Anthropozäns verhandelt werden.
Indem er Glissant in eine längere Tradition karibischer Dichter:innen und bildender Künstler:innen einbettet, rückt der Vortrag in den Vordergrund, wie Geografie und Geologie – Beziehungen zu Flora, Fauna, Land, Meer und menschlichem Leben – konstitutiv für karibische Identitäten gewesen sind. Diawara reflektiert zudem über Tropiques, die einflussreiche Zeitschrift, die zwischen 1941 und 1945 von René Ménil, Aimé Césaire und Suzanne Césaire herausgegeben wurde und vulkanische Landschaften, Wassermassen und Terrains nicht als inert gedachte Kulissen verstand, sondern als lebendige Präsenzen – fähig zu Empfindung, Intention und einem geteilten Beben.