installation
sourdough architecture: performative infrastructure for cultivated time

2026

Catherine Anabella Lie, sourdough architecture

Innerhalb von By the Mango Belt and Tamarind Road entfaltet sich sourdough architecture als relationale Technologie – ein pluriversaler Kompass, der sich nicht an festen Koordinaten orientiert, sondern an Geruch, Feuchtigkeit, Berührung und Zeit. Er driftet mit Strömungen, statt sie zu stabilisieren, und nutzt Fermentation als eine Weise des Wahrnehmens und Synchronisierens mit Zeit/Raum.

Innerhalb von Atelier 1 im silent green fungiert der Sauerteigstarter als Starter-Timer: eine lebendige Uhr, die den täglichen Rhythmus und die organisatorische Logik der Installation strukturiert. Jeden Tag öffnet und schließt sich der Raum mit einem öffentlichen Akt der Fürsorge: dem Füttern des Starters, das den Beginn einer zyklischen, performativen Partitur markiert. Dieses Fütterungsprotokoll ist infrastrukturell – es stimmt die lebende Kultur auf die sich verändernden Mikroklimata des Raums und auf die Energien derer ein, die ihn durchqueren.

Im Zentrum steht ein modulares Brotback-Pult, konstruiert aus lokal beschafften Berliner Materialien, das als Pop-up-Zentrum für Sauerteigfürsorge und temporäres Labor fungiert. Hier ruht der Teig neben Rückständen aus den zirkulierenden Systemen des Ateliers und eingeladenen Praktiken: Brotfrucht, Chips, Pad Thai, Tilapia, Materialien, die Workshops, Gespräche und Gesten im Verlauf des Tages hinterlassen haben. Der Starter wird zu einem metabolischen Kassenbuch, das Partikel, Atmosphären und Interaktionen aufnimmt und sich auf die driftenden Rhythmen des Raums kalibriert.

Jeder Morgen beginnt mit etwa einer Stunde aktiver Arbeit: dem Aufbau des Pults, dem Füttern des Starters und dem Backen von Brot aus dem am Vortag fermentierten Teig – ein Moment von Intensität und Zusammenkunft. Darauf folgt eine langsamere vierstündige Phase des Teigmachens, des intermittierenden Faltens und des Wartens, während der der Raum offen und porös für andere Workshops, Nutzungen und Transformationen bleibt. Am späten Nachmittag wird der Teig zur nächtlichen Fermentation zurückgelassen, was das Ende der aktiven Arbeit des Tages markiert, während seine angesammelten Spuren leise weitergetragen werden.

Um das Pult herum spannt sich eine Serie von Netzen: sanfte Haltestrukturen für Warten, Ausruhen und informellen Austausch, die den Horizont des Raums absenken. Weiche, gewebte Oberflächen laden zum Verweilen und Beobachten ein und ermöglichen es Besucher:innen, langsame Transformationen von Materie, Beziehung und Ritual mitzuerleben. Während unterschiedliche Workshops durch das Atelier ziehen, werden ihre Rückstände – räumliche Logiken, Gesten, Flüssigkeiten, Fasern, Hitze – nicht ausgelöscht, sondern metabolisiert. So wird etwa gewürztes Wasser aus einem Workshop Teil des Teigs des nächsten Tages und faltet kollektive Präsenz in das Brot selbst ein.

Jeder Abend schließt mit einer kollektiven Fütterung, die die Atmosphären des Tages in die lebende Kultur zurückführt und fragt, was weitergetragen werden muss. Das Pult beherbergt zudem ein wachsendes Archiv von Sauerteigstartern aus früheren Iterationen von sourdough architecture: Notizen, Starter aus unterschiedlichen Geografien, Klimata und Forschungskontexten, die es jeder neuen Kollaboration erlauben, die Installation räumlich und materiell neu zu konfigurieren.

Durch die Fermentation mit wilden Hefen wird sourdough architecture zu einem Protokoll des Compassing und Metaphoring: eine response·able Praxis der Fürsorge, die multiple Kosmologien zugleich hält.