Statement
transmediale 2024: Update
Zur Antidiskriminierungsklausel des Berliner Senats und Absagen von Künstler:innen

Nach den Angriffen vom 7. Oktober und dem anhaltenden Krieg im Gazastreifen schockiert uns die entsetzliche Gewalt und der inakzeptable Verlust von Menschenleben im Nahen Osten weiterhin zutiefst.

Während die Auswirkungen dieses Konflikts auf die Politik, die Medienlandschaft und Berichterstattung weltweit nachhallen, entsteht in Deutschland eine neue Ebene der Spannung im kulturellen Sektor. Der Anstieg von Antisemitismus, anti-muslimischem Rassismus und die Delegitimierung von pro-palästinensischen Stimmen beunruhigen uns zutiefst. Als Festival verpflichten wir uns, dieser Art von undemokratischen Entwicklungen zu widerstehen und stellen uns entschlossen gegen diese. Wir tun dies, indem wir unbeirrt zur Freiheit der Kunst stehen und uns gegen jegliche Form von Diskriminierung aussprechen.

Die Forderungen nach einem Boykott staatlich geförderter Institutionen in Deutschland reagieren unter anderem auf den Vorschlag einer neu definierten Anti-Diskriminierungsklausel des Berliner Senat für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Obwohl diese Klausel das aktuelle Festival nicht akut betrifft, besteht die Gefahr, dass sie zukünftige Ausgaben beeinflusst. Die Förderung des Berliner Senats macht etwa 7% unseres Budgets aus. transmediale stimmt mit den ernsthaften Bedenken überein, die von wichtigen Verbündeten in der Berliner Kulturlandschaft , friends , befreundeten Institutionen sowie unserem Partnerfestival CTM geäußert wurden, und lehnt die Initiative des Berliner Senats entschieden ab. Insbesondere glauben wir, dass die vorgeschlagene Maßnahme, die die Umsetzung einer sogenannten Anti-Diskriminierungsklausel beinhaltet, aufgrund ihrer Unklarheit eine erhebliche Bedrohung für die künstlerische Freiheit und die Zukunft der Kunstförderung in Berlin darstellt. (Die Klausel ist ab sofort nicht mehr in Anwendung.)(1)

Vor diesem Hintergrund müssen wir darüber informieren, dass sich Holly Childs und Gediminas Žygus, Mohamed Berro, Monica Basbous und Charbel Alkhoury sowie Al Hassan Elwan, Avril Corroon, Frank Sweeney und Mario Santanilla entschieden haben, sich von der transmediale 2024 Festivalausgabe zurückzuziehen. Auch unser Filmkurator hat sich entschieden, die Teilnahme am Festival zurückzuziehen (zuletzt aktualisiert am 29. Januar). Zusaestzlich haben Vani-T sowie die Kollektive Constant, Digital Discomfort Workgroup, TITiPI und Varia ihre Teilnahme am Festival zurückgezogen. (zuletzt aktualisiert am 2. Februar) Auch der Film von Eimear Walshe wurde vom festival zurückgezogen. (*aktualisiert am 3. Februar)

Wir respektieren diese Entscheidung und stehen in engem Austausch mit den Künstler:innen. Auch andere Teilnehmende wenden sich an uns und teilen ihre Ängste, Sorgen und auch ihre Ablehnung hinsichtlich der Risiken von Zensur, möglichen Diffamierungsversuchen durch die Medien und ihrer Bedenken hinsichtlich der Einschränkung der Rechte zur künstlerischen Freiheit und Meinungsfreiheit.

Als Festival sind wir einem kritischen Diskurs zu Technologie verschrieben und verstehen uns als dynamischen Raum für Debatten und gemeinsames Lernen. Im Fokus steht dabei die Arbeit von Künstler:innen und deren Praxis – nicht deren Social Media Engagement oder deren politische Affinitäten. Konsequent diesem Ansatz folgend haben wir uns schon vor langer Zeit von bestimmten sozialen Medienplattformen wie Facebook, Instagram und X (ehemals Twitter) zurückgezogen. transmediale engagiert sich für ein Festival, das ein sicherer und inklusiver Raum für alle sein kann. Wir verfolgen eine Null-Toleranz-Politik gegenüber allen Formen von Diskriminierung und Rassismus, einschließlich Antisemitismus und anti-muslimischem Rassismus. Die Wahrung eines freien und respektvollen Raums für Dialog, Offenheit und Austausch ist unsere Priorität und unsere Verantwortung.

Als Kultureinrichtung glauben wir fest an die Kraft von Kunst und Kultur, wertvolle Räume für Begegnungen, Reflexion und sogar Veränderung zu schaffen. Wir sind entschlossen, diese Räume offen zu halten und Foren zu ermöglichen, in denen Unterschiede mit gegenseitigem Respekt diskutiert und navigiert werden können. Wir rufen zu Solidarität zwischen allen Kulturschaffenden auf, zu einer Zeit, in der weitere Fragmentierung und Ablenkung von gemeinsamen Zielen uns nur schwächer machen. Wir hoffen, dass Künstler:innen, Teilnehmende und das Publikum – wie sie es jedes Jahr tun – zu diesem gemeinsamen Raum und dem immersiven Festival-Erlebnis beitragen. In diesen Zeiten, in denen das Zusammenkommen so dringend und notwendig ist, hoffen wir, Sie und Euch alle bald zu sehen.

Wir fordern ein Ende der anhaltenden Gewalt und setzen uns für die Freilassung aller Geiseln und einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand ein.

(1) Unter dem öffentlichen Druck und hinsichtlich juristischer Bedenken wurde am 22. Januar die Durchsetzung der Klausel bis auf weiteres aufgehoben.