resource journal

Workshop: 36 15 Circuit Bending [Minitel Hacking], Foto: Maria Silvano, www.mariasilvano.com

Gedanken zur Entwicklung eines ganzjährigen Festivalprogramms von Tatiana Bazzichelli

Von 2011 bis 2014 gestaltete Tatiana Bazzichelli das Veranstaltungsprogramm reSource transmedial culture berlin mit, das Projekte rund um die transmediale aufgegriffen und erweitert hat. In der vorliegenden ausführlichen Auseinandersetzung (die 2016 bereits im Band across & beyond publiziert wurde) beschreibt Bazzichelli das Projekt als einen Versuch: als ein Experimentieren mit den Möglichkeiten der Interaktion, der Ergänzung und wechselseitigen Unterstützung zwischen Institutionen und Kulturnetzwerken in einer durchgängigen, über Einzelveranstaltungen und Festivals hinausgehenden Programmgestaltung. Da Bazzichelli in den gleichen Jahren auch Kuratorin für das transmediale-Festival war, ist ihre Perspektive in beiden Programmkontexten verortet und ermöglicht eine Metareflexion des aufregenden und manchmal chaotischen Austauschs.

Jenna Sutela befragt Shu Lea Cheang zu dem Mykologischen, dem Neurologischen und dem Orgasmischen

Die Kunst von Shu Lea Cheang bezieht sich auf das Verhalten von mykologischen Material, ihre Arbeitsweise jedoch ist vergleichbar mit rhizomatischer, pilzartiger Netzwerkbildung. Die Künstlerin, geboren in Taiwan und lebend in Paris, schafft seit Jahrzehnten kollaborative Projekte die andere Künstler_innen, Institutionen und die Öffentlichkeit in Form von komplexen Interaktionsnetzwerken, die nicht durch etablierte Kommunikations- und Ausstauschsysteme verschlüsselt werden können, zusammenbringen. Jenna Sutela, eine in Berlin lebende finnische Künstlerin deren Kunst sich die Rechenleistung von Fermentation und anderer „natürlicher Computer“ nutzbar macht, befragt Cheang in einem ebenso ausgedehnten Gespräch.

Kain Karawahn über die Kunst der Flamme

Kain Karawahn setzt seit mindestens 40 Jahren Dinge in Flammen. Von seinen ersten fotografischen Experimenten in denen er festhielt wie Feuer organisches Material verändert über Performances wie die Entzündung von Teilen der Berliner Mauer mit Hilfe eines Schuss Benzins bis zu seiner heutigen Arbeit durch die er Kindern den Umgang mit Feuer nahe bringt, war sein Medium immer gleichbleibend: Verbrennung. Im Mai 1997 entzündete er zusammen mit Blixa Bargeld für das damalige transmediale Festival 7.000 Bücher in einer kollaborativen Performance namens 7000 Bücherfeuer. In folgendem Exklusivinterview erklärt die transformierende Arbeit, welche hier mit einem Originalvideo der Veranstaltung präsentiert wird

Caspar Stracke über Jeanne Finleys Videolinguistik

Im Rahmen des 30-jährigen Jubiläums der transmediale wählte Florian Wüst das Werk Involuntary Conversation (1991) von Jeanne Finley aus, um es im Zuge des Projektes Activating the Archive, einem kuratorischen Bestreben von ihm und Kristoffer Gansing, zu erforschen. Durch linguistische Analyse und einen Blick auf die Geschichte von politischem Kauderwelsch seziert Künstler, Filmemacher und Kurator Caspar Stracke das in Finleys Werk angewandte „Doublespeak“ — eine Überlagerung von Text, Bild und gesprochenem Wort, die durch die damals neuen technologischen Entwicklungen möglich gemacht wurde. Involuntery Conversion ist ein Musterbeispiel für die Videokunsttechniken der frühen 90er Jahre, aber wie Stracke im folgendem Essay überzeugend argumentiert ist Finley’s Aufmerksamkeit für die Fähigkeit der Sprache Dinge zu verschleiern heute in diesem Jahrhundert noch immer von Bedeutung.

Jussi Parikka berichtet aus dem Labor und aus der Bibliothek

Was ist ein Media Lab? Und was ist eigentlich eine Bibliothek? Was ist ein Archiv? Und ein Experiment? Diese Fragen motivierten Jussi Parikka zu einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit Lori Emerson und Darren Wershler, das allen Beteiligten ein weites Feld der Auseinandersetzung eröffnete. In diesem Essay aus dem kürzlich publizierten Band across & beyond berichtet Parikka aus dem Labor und aus der Bibliothek – vom MIT bis nach Agbogbloshie, von der Kunstausstellung bis zum Startup-Zentrum – und entwickelt so eine Vorstellung von der Vergangenheit und Zukunft des Media Labs.