art&digitalculture

transmediale 2012 programme preview

 

Ausstellung - Dark Drives. Uneasy Energies in Technological Times
Video-Programm - Satellite Stories
Performance-Programm - The Ghosts in the Machine
Symposium - in/compatible: systems | publics | aesthetics
reSource for transmedial culture
CTM.12 - Festival for Adventurous Music and Related Arts
Geschichte der transmediale
Daten und Fakten

 

Auf der transmediale 2012 dreht sich unter der neuen künstlerischen Leitung von Kristoffer Gansing vom 31.1. bis zum 5.2.2012 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin alles um das Thema in/compatible. Inkompatibilität beschreibt den Zustand, der entsteht, wenn Dinge nicht miteinander funktionieren – in der Technologie ein ständiges Phänomen. Sowohl Entwickler als auch Hacker arbeiten immer daran, Systeme zu verbessern. Jedoch mit dem Unterschied, dass Hacker nicht immer eine funktionelle Motivation verfolgen, sondern Systeme auch unterbrechen, um dadurch Kritik zu äußern. Gerade in Krisenzeiten besitzen die damit erzeugten in/kompatiblen Spannungsmomente ein erneuerndes Potential. Diese Taktik wird auf der transmediale von technologischen auf politische, ästhetische und andere gesellschaftliche Systeme übertragen und im Hinblick auf die produktiven und destruktiven Seiten von Inkompatibilität hinterfragt. Im Geiste von Brüchen, Lücken und kreativen Hacks präsentiert das Festival für digitale Kunst und Kultur in seiner 25. Jubiläumsausgabe ein vielseitiges, internationales Programm aus Diskussionsrunden, Kunstwerken, Video-Screenings, Workshops, Performances und künstlerischen Interventionen – wie immer parallel zu und in Kooperation mit dem CTM – Festival for Adventurous Music and Related Arts.

 

Das zweitägige Symposium in/compatible: systems | publics | aesthetics umfasst interdisziplinäre Panels zur Produktionslogik des Inkompatiblen in der heutigen Netzwerkkultur. In Anlehnung daran zeigt die Ausstellung Dark Drives: Uneasy Energies in Technological Times künstlerische und alltagskulturelle Werke, die auf die dunkle Seite unseres technologisierten Lebens verweisen. Unter dem Titel The Ghosts in the Machine reflektiert das Performance-Programm das in/kompatible Verhältnis von analogen und digitalen Medien – einen Höhepunkt bildet dabei die legendäre Joshua Light Show. Das Videoprogramm Satellite Stories stellt die Frage nach der Kompatibilität des Menschen mit den von ihm geschaffenen Produkten. Anlässlich seines 25. Jubiläums bietet das Festival zudem einen Einblick in die einzigartige mediale Kunst- und Kulturgeschichte Berlins. Mit der neu initiierten Plattform reSource for transmedial culture für einen offenen Austausch zwischen Medienkünstlern, Wissenschaftlern und Hackern wird gleichzeitig ein Blick in die Zukunft der Netzwerkkultur geworfen.

 

Mit Ant Farm, Babak Afrassiabi & Nasrin Tabatabai, Chris Burden, Jennifer Chan, Shu Lea Cheang, Gabriella Coleman, Jodi Dean, Harun Farocki, Matthew Fuller, Dominic Gagnon, Goodiepal, Orit Halpern, Graham Harman, Stefan und Ralph Heidenreich, Tsila Hassine, Susanne Jaschko, Jodi, Sture Johannesson, Joshua Light Show, Eckart Lottman, Basim Magdy, Bjørn Melhus, Rosa Menkman, Sergio Messina, Ziv Neeman, Neozoon, Johannes P Osterhoff, Morten Riis, Roee Rosen, Billy Roisz, Andreas Schneider, Pit Schultz, Robert Sakrowski, jon.satrom, Igor Štromajer, Florian Wüst, Siegfried Zielinski u.v.a.

Ausstellung
Dark Drives. Uneasy Energies in Technological Times

Rund 35 künstlerische und alltagskulturelle Werke nähern sich in der von Jacob Lillemose kuratierten Ausstellung aus unterschiedlichen Perspektiven den dunklen Seiten der technologischen Kultur an. Unter dem Titel Dark Drives. Uneasy Energies in Technological Times zeichnet sich in der Ausstellung ein Feld ab, in dem das menschliche Verhältnis zur Technologie mehrdeutig, dynamisch und diffus erscheint. Die Ausstellung greift dabei psychologische, soziale, politische, materielle und ästhetische Aspekte auf, die sich mit heiklen Themen wie Sucht, Angst, Frustration, Verwirrung, Widerspruch oder Aggression verbinden lassen. Sowohl zeitgenössische als auch historische Werke der Ausstellung verbreiten auf jeweils eigene Weise unruhige Energien.

 

Die Arbeit Armed Citizen (1998/2006) des Künstlers Daniel García Andújar spielt auf die kommerzielle Zugangslogik unserer Netzkultur an. Abbildungen von Handfeuerwaffen, die wie gängige Konsumgüter online zum Verkauf stehen, werden eine nach der anderen wie in einem Onlineshop projiziert und verkörpern ihre leichte Verfügbarkeit für den "bewaffneten Bürger". Ein anderes zu vielen Diskussionen anregendes Terrain betritt die Künstlergruppe Art 404 mit ihrer Skulptur 5 Million Dollars 1 Terabyte (2011). Auf einer Festplatte haben die Künstler unlizenzierte Software im Wert von rund 5 Millionen Dollar und einer Datenmenge von 1 Terabyte gespeichert. Ein Verzeichnis listet den Wert, die benötigte Speicherkapazität und den illegalen Downloadlink von Dateien wie AutoCAD Programmen, Videospielen oder Romanen auf. Eine ganz andere verstörende Ästhetik entwirft der Künstler JK Keller mit seinem Video Realigning My Thoughts On Jasper Johns, einer 'Glitch' Version der Simpsons Episode Mom and Pop Art (Season 10, Episode 19) samt Gastauftritt des Pop-Art-Künstlers Jasper Johns. Keller ästhetisiert Fehler in Bild und Ton, indem er beide Bereiche absichtlich durch eine standardisierte digitale Manipulation verzerrt. Seine Technik verwandelt das popindustrielle Massenprodukt in eine eigensinnig abstrakte Animation und erinnert damit an die Wachs-Collagen dieses Pop-Art-Künstlers. Neben künstlerischen Arbeiten vertieft eine Reihe von alltagskulturellen Zeugnisse die Thematik der Ausstellung. Vibek Raj Maurya und Jack Caravanos veröffentlichten ihre fotografische Dokumentation der gewaltigen Mengen von Elektroschrott in Ländern der Dritten Welt auf Flickr. Eine Auswahl von rund 60 Bildern nimmt die Besucher der transmediale mit auf eine Reise zu einer düsteren Seite unserer Lifestyle-Kultur, die permanent nach dem neuesten Stand der Technologie strebt.

 

In der Ausstellung vertreten sind u.a. 0100101110101101.ORG, Art 404, Ant Farm, Antony Balch / William S. Burroughs, Heath Bunting, Chris Burden, Bureau of Inverse Technology (BIT), Costanza Candeloro / Luca Libertini, Jack Caravanos (Blacksmith Institute), Jennifer Chan, Tracy Cornish, Chris Cunningham / Aphex Twin, Constant Dullaart, [epidemiC], Daniel García Andújar, Matteo Giordano, Goodiepal, Bjørn Erik Haugen, Jaromil, JODI, Sture Johannesson, Junko & Mattin, JK Keller, TR Kirstein, Mistress Koyo / Karla Grundig, Peter Luining, Paidia Institute, Vibek Raj Maurya, jon.satrom, SPK, Nikola Tesla, UBERMORGEN.COM, Steina and Woody Vasulka, VNS Matrix, Marcelina Wellmer und Ruth White.

 

Video-Programm
Satellite Stories

Das von Marcel Schwierin kuratierte Video-Programm Satellite Stories stellt die Frage nach der Kompatibilität des Menschen mit den von ihm gestalteten Produkten. Ob man nun Politik, Finanzwelt, Architektur, Verkehr, Kleidung oder ganz besonders die Medien betrachtet, der Mensch schafft sich eine Umgebung, die einerseits seine Bedürfnisse befriedigen soll, ihn dabei aber andererseits beständig überfordert. Die Produkte scheinen eine Art von Eigenleben zu entwickeln – sie werden nicht mehr an den Menschen angepasst, vielmehr muss der Mensch sich ihnen anpassen, um nicht seinerseits inkompatibel zu werden. Ins Zentrum der künstlerischen Beobachtung rückt dabei mehr und mehr das Internet.

 

Dominic Gagnons Pieces and Love All to Hell basiert auf zensierten YouTube-Clips, die der Künstler kurz vor ihrer Entfernung heruntergeladen hat und zu einem bedrückenden Gesellschaftsbild aus sozialen Ängsten, Verschwörungstheorien und automatischen Waffen verwebt. Einem scheinbar völlig belanglosen Thema widmet sich dagegen Andreas Schneider in Eight Characters and Two Syllables. Er beobachtet mehrere Protagonistinnen einer Make-Up Community auf ihren YouTube Channels. Es sind die neuen Stars von kleinen, aus mehreren tausend "Followern" bestehenden Gemeinschaften. Doch spätestens wenn Kritik aufkommt, entpuppen sich die harmlosen Selbstdarstellerinnen als Furien – natürlich nach wie vor perfekt geschminkt, ganz wie ihre medialen Vorbilder. Good Boy – Bad Boy des Kollektivs Neozoon verfolgt den Umgang mit dem vielleicht beliebtesten YouTube-Motiv, dem dressierten Haustier. Was auch hier zunächst ganz allerliebst daherkommt ("Good Boy"), verwandelt sich schon bald in demütigende Strafexzesse, die die ausgelieferte Kreatur über sich ergehen lassen muss ("Bad Boy"). Der virtuelle Raum des Internets, der lange Zeit als ein utopischer Ort des freien, unzensierten und egalitären Austausches von Ideen galt, erscheint in der künstlerischen Reflexion mehr und mehr als ein Spiegel der real existierenden Gesellschaft – mit all ihren Abgründen.

 

Als Würdigung des 25-jährigen Jubiläums der transmediale wird jedes der acht Video-Programme von einem historischen Werk aus den Anfängen der transmediale eröffnet. Auf diese Weise werden sowohl thematische Kontinuitäten als auch Brüche in der Videokunst der letzten Jahrzehnte offengelegt. Gastkuratorinnen des Arab Short Programms sind Maha Maamoun und Sarah Rifky aus Kairo.

 

Mit Videoarbeiten u.a. von Babak Afrassiabi & Nasrin Tabatabai, Basma Al Sharif, Hanspeter Ammann, Nadav Assor, Jeremy Bailey, Thomas Balzer, Dalibor Baric, Claus Blume, Susan Bowman, Michaela Buescher, Daya Cahen, Peter Callas, Christiane Dellbrügge & Ralf de Moll, Anthony Discenza, Haris Epaminonda, Harun Farocki, Dennis Feser, René Frölke, Dominic Gagnon, Jos de Gruyter & Harald Thys, Reza Haeri, Henna-Riikka Halonen, Isabelle Hayeur, Laura Horelli, Sophie Kahn, Nina Kurtela, eteam, Basim Magdy, Jesse McLean, Norbert Meissner & Mike Krebs, Bjørn Melhus, Neozoon, Till Nowak, Rotraut Pape & Andreas Coerper (Raskin), People Like Us, Nicolas Provost, Steve Reinke, Roee Rosen, Aura Satz, Andreas Schneider, Maria Vedder, Paul Wong und Stefan Zeyen.

 

Performance-Programm
The Ghosts in the Machine

Das von Sandra Naumann kuratierte Performance-Programm The Ghosts in the Machine reflektiert die Kompatibilität und Inkompatibilität von alten und neuen, analogen und digitalen Medien. Die Künstler bedienen sich medienarchäologischer Praktiken, indem sie digitale Instrumente zur Erforschung von analogen Medien verwenden. Mit dieser Taktik offenbart eine Reihe von audio/visuellen Performances die besonderen Eigenschaften der älteren Medien und lockt in diesem Sinne die "Geister aus der Maschine".

 

Gemeinsam mit dem CTM.12 – Festival for Adventurous Music and Related Arts präsentiert die transmediale 2012 als ein Highlight des Performance-Programms die Joshua Light Show. Seit den 60er Jahren arbeitet die Künstlergruppe um den Gründer Joshua White immer live und verwendet dabei einen Material- und Medienmix aus Film-, Dia- und Overhead-Projektionen, Farbrädern, reflektierenden Objekten und Scheinwerfern. Die von ihnen analog und inzwischen auch digital erzeugten magischen und biomorphen Formen gelten als visuelles Äquivalent der psychedelischen Ära und werden unmittelbar mit Rock 'n' Roll Konzerten von Größen wie The Who, Jimi Hendrix, Janis Joplin und The Doors verbunden. Heute kann die Joshua Light Show als Kunstform betrachtet werden, die neben der zeitgenössischen Lichtkunst die popkulturelle Verwendung von Lichtprojektionen wie beim VJing prägte. Außerdem kann die Joshua Light Show als ein frühes Beispiel betrachtet werden, in dem Künstler die Idee einer Netzwerkkultur in eine ästhetische Form übersetzten. Die Lichtmagier kombinierten scheinbar unvereinbare Technologien und audiovisuellen Medien, bevor ein solches Zusammenspiel zur materiellen Realität wurde, um die daraus hervorgehenden Spannungen für ihre kreative Zwecke zu nutzen.

 

Außerdem entwickelt die österreichische Video (feedback)-Künstlerin und Musikerin Billy Roisz für die transmediale 2012 mit den Musikern dieb13 und Mario de Vega eine neue Performance mit dem Titel ideomotoric chatroom. Die Künstler beziehen sich dabei auf den ideomotorischen Effekt, der das Phänomen beschreibt, dass die Vorstellung einer bestimmten Bewegung einen Impuls zur Ausführung eben dieser Aktion auslöst und damit an Erscheinungen wie das Gläserrücken erinnert – demnach agieren Künstler und Maschinen in dieser Performance wie von Geisterhand bewegt und die inneren Zusammenhänge der reflexartigen, unbewussten Interaktion zwischen Klang- und Bildsignalen werden durch eine sich überlagernde Dreifach-Projektion auf einer Leinwand sichtbar gemacht. Wolfgang Spahn und Martin Howses Geräusch- und Licht-Performance Liquid State Machine wiederum verbindet hingegen chemische, biologische und physikalische Prozesse in einer komplexen Maschinerie, die ein kontinuierliches Raum-Klang-Kontinuum generiert. In der simultanen Vereinigung und Trennung von Howses Noise-Maschinen und Spahns digitalen/analogen Projektoren entsteht ein Universum sich permanent verändernder organischer Strukturen in Form von fließenden kaleidoskopartigen Bildern und hypnotisierenden Klängen, die eine starke Sogwirkung erzeugen.

 

Mit Performances u.a. von der Joshua Light Show, Billy Roisz, dieb13 und Mario de Vega, Flora Könemann, Valerio Tricoli, Wolfgang Spahn, Martin Howse.

 

Symposium
in/compatible: systems | publics | aesthetics

Das Symposium in/compatible: systems | publics | aesthetics widmet sich vom 3. bis 4. Februar 2012 in Form von interdisziplinären Panels und Künstlerpräsentationen den aktuellen Entwicklungen der Netzwerkkultur sowie der Problematik und Produktionslogik des In/kompatiblen. Ob in Politik, Wirtschaft oder Kultur – das Phänomen des In/kompatiblen scheint mit seinen produktiven und zugleich auch destruktiven Kräften alle gesellschaftlichen Systeme zu durchdringen. In der heutigen Netzwerkkultur treten diese Kräfte jedoch nicht immer in einem rein dualistischen Sinne auf, sie entstehen vielmehr in komplexen Situationen, die einem konstanten Wandel unterliegen. In/kompatible Momente wie Systemzusammenbrüche, technologische Fehler und soziokulturelle Widersprüche werden auf dem Symposium als Ausgangspunkte für die Entwicklung einer modularen und in/kompatiblen Reflexivität untersucht, um die gegenwärtige Netzwerkkultur besser verstehen zu können. Die drei Themenstränge des Symposiums lauten: in/kompatible Systeme, in/kompatible Öffentlichkeiten sowie in/kompatible Ästhetiken. Künstlerische Produktionen und Interventionen bilden als performative Wissensproduktion einen zentralen Bestandteil der Veranstaltung.

 

Der erste Strang in/kompatible Systeme beschäftigt sich mit den spezifischen Bedingungen für eine politische Ökonomie innerhalb der heutigen Netzwerkkultur. In dem Panel in/compatible War: Global Neoliberalsim as a War Machine diskutieren die israelischen Künstler und Forscher Tsila Hassine und Ziv Neeman mit dem deutschen IT- und Sicherheits-Experten Sandro Gaycken über die Verschaltung militärischer und ziviler Gesellschaften in Israel und darüber, wie technologische und militärstrategische Politiken ein Wirtschaftsmodell kreieren, das den Kriegszustand einer Gesellschaft zur Signatur innovativen Unternehmertums macht. Im Panel Business as Unusual untersuchen Teilnehmer wie die Brüder Stefan und Ralph Heidenreich die kybernetischen Netzwerke der globalen Finanzkrise.

 

Der Symposiumsteil In/kompatible Öffentlichkeiten diskutiert Formen des Aktivismus und des gesellschaftlichen Widerstands, die sich ebenso aus dem Kontext von in/kompatiblen Systemen ergeben. Anonymität, Spamming, Störung, Unterbrechung und Besetzung sind beispielhafte Strategien, die von öffentlichen und nicht-öffentlichen Akteuren genutzt werden, um Systeme zu kritisieren. Einige der Gruppen sind heutzutage nicht immer als legitime Akteure der öffentlichen Sphäre anerkannt. Das Anonymous Netzwerk bildet das Diskussionsthema des Panels Disruptive Non-Publics – Anonymity as an Intervention Strategy der Wissenschaftlerinnen und Hacking-Expertinnen Gabriella Coleman und Tatiana Bazzichelli. Im Panel Mapping the Crisis – Production, Regulation and Control of Publics werden die jüngsten Ereignisse der politischen, finanziellen und ökologischen Krisen in London, Athen und Tokio von Wissenschaftlern aus den jeweiligen Ländern einander gegenübergestellt und in einem Keynote-Gespräch erläutert die Politikwissenschaftlerin Jodi Dean die Möglichkeiten des Politischen sowie Formen von Öffentlichkeit, die jenseits der regulativen Analysen, Reflexionen und Strategien neoliberaler und konsumistischer Logiken liegen.

 

Was macht eine in/kompatible Ästhetik aus? Der dritte Teil des Symposiums greift das Paradox künstlerischer Praxis und kultureller Produktionen auf, die in den Zwischenräumen der unebenen Landschaft in/kompatibler Systeme und Politiken stattfinden. In den Panels wird hinterfragt, wie Künstler, Anwender und Konsumenten vergessene Kanäle, Risse und Funktionen im Exzess der vernetzten Kommunikation ausnutzen, um mit absichtlich oder zufällig störenden Aktionen den Kontext zu verändern, in den sie eingreifen. In seiner Keynote Knotty Problems in the Fables of Computing, erläutert der Künstler und Medienforscher Matthew Fuller, wie klassische Probleme der Informatik sich nicht nur mit technischen Parametern auseinandersetzen, sondern auch räumliche, soziale und ästhetische Dimensionen offenbaren.

 

Mit Jacob Appelbaum, Gabriella Coleman, Jodi Dean, Michael Dieter, Matthew Fuller, Sandro Gaycken, Orit Halpern, Graham Harman, Tsila Hassine und Ziv Neeman, Stefan und Ralph Heidenreich, Kathy Rae Huffman, Olia Lialina & Dragan Espenschied, Eckart Lottman, Rosa Menkman, Thomas Munz, Jussi Parikka, Pit Schultz, Igor Štromajer, Robert Sakrowski, Jon Satrom, Krystian Woznicki, Florian Wüst u.v.a.

 

reSource for transmedial culture

reSource for transmedial culture ist eine neue Initiative der transmediale in Zusammenarbeit mit CTM / DISK und dem Kunstraum Kreuzberg / Bethanien, um eine Plattform für den gegenseitigen Austausch von Methodologien und Wissen zu fördern. reSource wird auf der transmediale 2012 von Tatiana Bazzichelli kuratiert und durch verschiedene Projekte wie Workshops, Talks und Performances zu den Themen reSource method, reSource activism, reSource networks, reSource markets und reSource sex vorgestellt.

 

Internationale Künstler, Kulturschaffende, Hacker, Aktivisten und Gender-orientierte Kreise innerhalb und außerhalb Berlins sowie aus dem weiteren Feld regionaler und internationaler Netzkultur werden eingeladen, um anhand von gemeinsamen Untersuchungen, Experimenten und Reflexionen neue Erfahrungen zu sammeln. Die Vorgehensweisen von Künstlern und Hackern sind nicht nur als Quelle für die Produktion kultureller Innovationen, sondern auch als eine strategische Herausforderung für die Erzeugung einer Medien-Kritik im Allgemeinen und einer Meta-Reflexion künstlerischer Produktion in digitaler Kultur und Netzwerk-Wirtschaft im Speziellen gedacht. Indem eine Reihe von Fragestellungen aufgeworfen wird, die die lokale und überregionale Gemeinschaft im Bereich der digitalen Kulturproduktion (und darüber hinaus) betreffen, wird das Ziel verfolgt, den gegenseitigen Austausch und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und Wissen zu fördern. reSource wirkt dabei als ein Bindeglied zwischen den kulturellen Produktionen von Kunst-Festivals und kollaborativen Netzwerken im Bereich von Kunst und Technologie, Hacktivismus und Politik.

 

Mit Geoff Cox, Katrien Jacobs, Jaromil, Joasia Krysia, Steve Lambert, Linux Virgins, Sergio Messina, Telekommunisten, Johannes P. Osterhoff, Morten Riis, Shu Lea Cheang u.v.a.

 

CTM.12
Festival for Adventurous Music and Related Arts

In einem umfangreichen Konzertprogramm, mit Diskursveranstaltungen sowie einem Ausstellungsteil widmet sich CTM.12 – Festival for Adventurous Music and Related Arts mit dem Festivalthema SPECTRAL der gegenwärtigen Konjunktur des Geisterhaften, Mysteriösen und Dunklen im Pop. Witch House, Hypnagogic Pop, Hauntology, Neo-Industrial oder Drone setzen auf die negative Energie der Verlangsamung und Bewusstlosigkeit. Quer durch die Stile hindurch arbeitet man mit dem Rückgriff auf Vergangenes bis hin zur Archaik. Zerfall, Vernebelung, Verrauschen, Deformation, Geheimnis, Nostalgie, Kitsch, Leere, Verlust und Sich-Entziehen sind Stichworte einer Haltung, die nicht das Hinzufügen neuer Ideen, sondern die Transformation von Bestehendem zum Ziel hat. Ist das eine Antwort auf die Empfindung einer totalen, postmodernen Umhüllung, in der alles bereits da, getan und endlos wiederholbar ist und nichts Neues in Sicht zu sein scheint? Angesichts exponentiell wachsender Archive und der Krise als Dauerzustand scheint es, als läge unsere Zukunft von nun an in der Vergangenheit. Weiterführender Perspektiven entbehrend, schöpfen Kunst, Musik und Gesellschaft aus den Strömen von Medien, Stilen und Materialien. Ob die universelle Verfügbarkeit kultureller Zeugnisse nun ein paradiesischer Zustand, die totale Überforderung oder ein Leben auf der Müllhalde bedeutet, weiß man nicht. Aber gerade das Unheimliche bewahrt uns davor, uns behaglich in der Vergangenheit einzurichten (und dabei selbst zu Geistern zu werden). Neben einem umfangreichen Musikprogramm werden ein in Zusammenarbeit mit dem Philosophen, Psychohistoriker und Autor Andreas L. Hofbauer entwickeltes Diskursprogramm sowie ein gemeinsam mit dem Kurator, Kunstkritiker und Architekten Thibaut de Ruyter erstellter Ausstellungsteil den Fragen des Themas zwischen Kunst, Theorie und Musik nachgehen. Die CTM.12-Ausstellung im Kunstraum Kreuzberg / Bethanien wird bereits am 27. Januar eröffnet.

 

30.1. – 5.2.2012, Berlin
sowie 27.1.2012 Eröffnung der CTM.12-Ausstellung (bis 19.2.2012).
Spielorte: HAU, Berghain, Kunstraum Kreuzberg / Bethanien, Passionskirche, Gretchen, Kater Holzig und Horst Krzbrg.

 

Mit Balam Acab, Conrad Schnitzler, Eleh, Éliane Radigue, Grouper with Jefre Cantu-Ledesma, Harmonious Thelonious, Haxan Cloak, Hieroglyphic Being, Hildur Gudnadottir, Holy Other, Hudson Mohawke, Ital, Jana Winderen, Kanding Ray, Mark Fell, Mika Vainio, Morphosis, Mouse on Mars, oOoOO, Qluster, Solistenensemble Kaleidoskop, Stellar Om Source, Tim Hecker, Wolfgang Seidel, u.v.a.

 

Weitere Informationen: www.ctm-festival.de

 

Geschichte der transmediale

Die transmediale wurde 1988 als VideoFilmFest als ein Nebenprogramm der Sektion "Internationales Forum des Jungen Films" der Berlinale ins Leben gerufen. Damit wollte der Mitbegründer und künstlerische Leiter Micky Kwella eine Plattform für Produktionen elektronischer Medien schaffen, die von reinen Filmfestivals wie der Berlinale ausgeschlossen waren. In den folgenden 20 Jahren entwickelte sich das Festival stetig weiter: 1997/98 änderte es seinen Namen von 'VideoFest' zu 'transmediale'. Diese Änderung reflektierte die programmatische Erweiterung des Festivals, welches inzwischen ein weites Spektrum multimedialer Kunstformen umfasste. 1999 wurde der "club transmediale" - seit 2011 CTM genannt - gegründet, der sich mit experimenteller und elektronischer Musik befasst und seither von einem eigenständigen Kuratorenteam mit unabhängiger Finanzierung organisiert wird.

 

Nach der Ernennung von Dr. Andreas Broeckmann zum künstlerischen Leiter im Jahr 2001 wurde die transmediale neu strukturiert. Zur transmediale.02 konnte erstmals eine umfassende Ausstellung gezeigt werden, die Medienkunst sinnlich und räumlich erfahrbar machte. 2006 änderte sich der Untertitel des Festivals, das nun nicht mehr 'international media art festival', sondern 'festival for art and digital culture' heißt und damit eine Abkehr von reiner Medienkunst und die Öffnung hin zum Spannungsfeld von Kunst, Technologie und unserem digitalisierten Alltag beansprucht.

 

Stephen Kovats wurde Anfang 2007 zum neuen künstlerischen Leiter der transmediale bestimmt. Mit dem Ziel, der wachsenden Zahl der Einreichungen theoretischer Arbeiten für den transmediale Award gerecht zu werden, wurde der Wettbewerb zur transmediale.08 um den Vilém Flusser Theory Award erweitert. Darüber hinaus wurde die von nun an jährlich erscheinende Buchedition 'transmediale parcours' ins Leben gerufen, die Bestandsaufnahmen ausgewählter thematischer Entwicklungen in der Medienkunst vor dem Hintergrund der jeweiligen Festivalthemen präsentiert. Für das Festival transmediale 2011 wurde zudem der Open Web Award ins Leben gerufen und das Festival setzte sich zunehmend mit der Beziehung zwischen Netzkultur und Biopolitik auseinander.

 

Seit April 2011 ist Kristoffer Gansing künstlerischer Leiter des Festivals. Mit ihm wird das Festival 2012 sein 25-jähriges Jubiläum mit einem Programm begehen, das sowohl durch den Rückblick auf die Vergangenheit als auch durch die mögliche Zukunft des Festivals definiert ist. Im Vorfeld fanden dazu bereits strukturelle Veränderungen statt. Für das Festival 2012 wird es keinen Open Web Award und auch keinen allgemeinen transmediale Award mehr geben. Diese Änderung spiegelt eine neue Art der Produktion des Festivals wider, indem die frühe Aneignung einer thematischen Herangehensweise auf eine kuratorische Kohärenz zwischen den einzelnen Programmbereichen sowie auf ein direktes Engagement innerhalb der transmediale Community abzielt. Zudem nimmt der Vilém Flusser Theory Award jetzt die Form eines Stipendienprogramms für künstlerische Forschung an, das im Frühjahr 2012 in Form einer Artist-in-Residency stattfinden wird.

 

Daten und Fakten

transmediale 2012
Eröffnung: 31.1.2012 um 18:30 Uhr
1.2. – 5.2.2012, 10–23 Uhr
Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin

 

Earlybird Tickets
Earlybird Tickets sind erhältlich auf www.transmediale.de/festival/tickets

 

Pressebilder
Eine erste Auswahl an Pressebildern können Sie von unserem Flickr Account herunterladen: http://www.flickr.com/photos/transmediale/collections/72157628110507005/

 

Presseakkreditierung
Die Möglichkeit, sich für transmediale und CTM als Medienvertreter online zu akkreditieren, besteht bis zum 15. Januar 2012 auf www.transmediale.de/festival/press

 

Einen kostenlosen transmediale und CTM Katalog, sowie ihren Pressepass und ihre Pressemappe können Sie am Presse-Counter im Haus der Kulturen der Welt zu den folgenden Öffnungszeiten abholen.
30.1.2012, 10–13 Uhr
31.1.2012, 17–21 Uhr
1.–5.2.2012, 10–20 Uhr

 

Bitte beachten Sie, dass ein Besuch der Eröffnung am 31. Januar 2012 kostenlos und ohne Akkreditierung möglich ist.

 

Pressekonferenz und Pressevorbesichtigung
Die Pressekonferenz der transmediale 2012 und des CTM.12 findet am 30. Januar 2012 von 11 Uhr bis circa 12 Uhr im Haus der Kulturen der Welt statt. Teilnehmer, Kuratoren und Veranstalter werden anwesend sein, um Ihnen die inhaltlichen Schwerpunkte und das Programm der beiden Festivals vorzustellen.

 

transmediale ist ein Projekt der Kulturprojekte Berlin GmbH in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

 

transmediale 2012
Künstlerische Leitung: Kristoffer Gansing

 

Weitere Informationen
Giannina Lisitano // +49 30 24749 716 // presse@transmediale.de // transmediale.de

 

 

Festival edition: 
2012

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