Made to Measure

Made to Measure

Date: 
29.01.2015 19:00
Festival edition: 
2015
Format: 
Conference
Location: 
HKW
K1

Die Vermessung lebendiger Systeme geht Hand in Hand mit nach Maß gemachten Organismen, sobald die “Herrschaft der Mechanisierung” die Überhand gewinnt.

Die Vermessung lebendiger Systeme geht Hand in Hand mit nach Maß gemachten Organismen, sobald die “Herrschaft der Mechanisierung” die Überhand gewinnt, wie Sigfried Giedion 1948 schrieb. Seit Mareys and Gilbreths Bewegungsstudien sind Kreaturen durch Standardisierung, Austauschbarkeit und die Hierarchisierung ihrer Bestandteile zunehmend in Rohstoffe verwandelt worden. Und so wie in der Biologie heute zunehmend nicht mehr nur analysiert sondern synthetisiert wird, so wird im entsprechenden Ingenieursvokabular weniger von Lebewesen als von ‘Komponenten’ und ‘Schaltkreisen’ gesprochen.

Ausgehend von Revital Cohens und Tuur Van Balens performativen Installationen, provokativen Objekten und ästhetisierten Dokumentarfilmen, die in der Ausstellung assemble | standard | minimal im Projektraum der Schering Stiftung sowie auf der transmediale gezeigt werden, diskutieren die Künstler, der Kurator Jens Hauser, der Wissenschaftsphilosoph Tobias Cheung und der Medientheoretiker Paul Feigelfeld über Standardisierung und auf Lebenssysteme angewandte Ingenieurslogik in westlichen und östlichen Kulturkreisen.

Aber hat nicht der Begriff der Organisation nicht immer schon eine Schlüsselrolle gespielt, wenn es darum ging, das Wesentliche eines Organismus zu definieren? Welcher historische Trieb verbirgt sich hinter heutigen Biobricks, zur Thunfischproduktion modifizierten Makrelen und eingefroreren Einzellen weiblicher Angestellter im Silicon Valley? Und wie gehen Künstler mit der Attitüde ihrer Komplizenschaft um, wenn sie selber lebendige Systeme manipulieren?

Revital Cohens und Tuur Van Balens neue Arbeit Sterile zeigt designte Albino-Goldfische ohne Fortpflanzungsorgane neben einer Maschine im Stand-by-Modus, die aus zuvor extrahierten Eizellen und Sperma sterile Fische beliebig reproduzieren kann. In ihren Arbeiten 75 Watt und Pigeon d’Or werden menschliche und tierische Organismen in den Dienst hochkontrollierter (dys)funktionaler Prozesse gestellt.

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