Konferenzprogramm: Starting from the Middle

Konferenzprogramm: Starting from the Middle

In der heutigen Zeit der Beschleunigung ist es häufig schwierig zu erkennen, wo die Rolle des Menschen aufhört und die der Maschine beginnt. Mit der zunehmenden Bedeutung von Systemen Maschinellen Lernens, Instanzen Künstlicher Intelligenz, technologischen Organismen und intelligenten Infrastrukturen entstehen laufend neuartige, komplexe TechnoÖkologien und Hybriditäten. In diesen neuen Verschränkungen wird Technologie als natürlich wahrgenommen und Vermittlung unmittelbar. Sie beeinflussen die Gestaltung der ökonomischen und gesellschaftspolitischen Situation, während sie die Überlegenheit menschlicher Handlungsmacht infrage stellen. Wie gewöhnlich – und wie merkwürdig – ist dieses Autonom-Werden und Zur-Umgebung-Werden von Technik für ihre Nutzer_innen? Wie können diese aufkommenden maschinellen Ökologien angewendet werden und für wen sind sie von Nutzen? Welche neuen Formen digitaler Hegemonie werden angenommen, wenn einige Akteur_innen herausgefiltert oder außer Acht gelassen werden?

Die Konferenz der transmediale 2017 ever elusive nimmt diese Fragen zum Ausgangspunkt der Diskussion und unterstreicht die verschiedenen Formen von Wirkmacht, die an den heutzutage schnell entstehenden technisch-medialen Umgebungen und Konstellationen beteiligt sind. Sie taucht in verschiedene Zwischenräume und Vermittlungszonen ein, die aus Geräten, Programmen, künstlichen Entitäten und menschlicher Beteiligung bestehen, und verhandelt unsere Rolle darin. Sie erkundet, was die Herausforderung der „Dezentrierung des Menschlichen“ bedeuten könnte, und beachtet dabei optimistische Szenarien ebenso wie kritische Auseinandersetzungen und Alternativen, die neue Möglichkeiten der Wahrnehmung des Nichtmenschlichen aufgreifen.

Besondere Bedeutung hat in dieser Auseinandersetzung das Konzept der „Mitte“, das auf zweierlei Weise angewandt wird: Die „Mitte“ beschreibt einerseits die komplexen und facettenreichen „Zwischen“-Räume der Vermittlung und Wirkmacht, die Ergebnis der allgegenwärtigen Ausdehnung von Medien sind. Andererseits verweist die „Mitte“ auf unsere Rolle „inmitten“ dieser Räume – „mittendrin“. Das Konzept kann eine Diskussion dessen unterstützen, wie wir uns durch unsere Teilhabe in den gegenwärtigen algorithmischen Filterungen und merkwürdigen Ökologien unvermeidlich in laufenden Vermittlungsprozessen wiederfinden. Zudem unterstreicht es die Notwendigkeit, die Vielfalt und Heterogenität solcher Räume anzuerkennen. Mit ihrer Nicht-Zentralität enthält die „Mitte“ das Potenzial für die Initiierung transversaler Praktiken in Wissenschaft, Politik und Ästhetik.

Die Redner_innen der diesjährigen Konferenz sind diesem Ansatz folgend dazu eingeladen, die sich verändernde Rolle menschlicher und nichtmenschlicher Wirkmacht sowie diese kontinuierliche Mitte, dieses Mitteln und Dazwischen-Sein zu diskutieren. Drei Stränge – drei verschiedene „Mitten“ als thematische Rahmen der Konferenz – strukturieren die theoretischen Kontextualisierungen, Methodologien, Praktiken und Ethiken: Die Elemental Middle erkundet die Infrastrukturen und Umgebungen heutiger Medientechnologien und kehrt hierbei zur grundlegenden Beziehung zwischen Kultur und Natur zurück; die Alien Middle nimmt den merkwürdigen und obskuren Charakter der vermittelten Umgebungen in den Blick und überprüft die Verbindung des Menschen zum Maschinellen; und die Middle to Come betont den subtilen und souveränen Charakter heutiger Vermittlung und fokussiert dabei auf die Entstehung von digitalem Kolonialismus und digitalem Populismus – sie unterstreicht aber auch die Möglichkeiten anderer Zeitlichkeiten und Räumlichkeiten in der Gestaltung dessen, was erst noch kommen wird.

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