Ausstellung

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Die transmediale Ausstellung 2015, CAPTURE ALL, zeigt künstlerische Positionen, die auf die Ungleichmäßigkeiten und Fehlannahmen der datafizierten Welt reagieren. Die Auswahl der Arbeiten etablierter wie auch aufstrebender Künstler_innen aus dem Call for Works konzentriert sich vor allem auf die mehrdeutige Beziehung und beunruhigende Spannung zwischem Nutzer und Algorithmus, dem Selbst und dem sich ständig entwickelnden Gerät. Kann mit diesem System noch gespielt werden oder sind wir in eine ausweglose Situation geraten?

Kuratiert von Daphne Dragona und Robert Sakrowski

Wir leben in einem Beschleunigungszustand, der mit allumfassender Datafizierung zusammenprallt. Datensammlung und -verarbeitung ist in den Kern aller Bereiche gerückt, die unsere Gesellschaft formen. Wir Nutzer fungieren hierbei als Sensoren. Eine neue Endlosschleife entsteht: Daten sammeln, Muster erkennen, Verhalten voraussagen und verbessern. Die „Capture All“-Logik überlässt wenig dem Zufall; und doch herrscht oft noch Unklarheit darüber, wie Daten genutzt, verarbeitet und bewertet werden.
In der gegenwärtig entwickelnden algorithmischen Gesellschaft werden Daten vor allem deshalb ständig miteinander in Beziehung gesetzt und kontrolliert, um Sicherheit und Wohlstand zu sichern. Zwei parallel laufende Prozesse vereinfachen dies: Die Selbstoptimierung ist direkt mit der Optimierung von Netzwerksystemen verbunden, während die konstante Datafizierung von physischen und virtuellen Interaktionen neue Formen von Identifikation und Normierung schafft. Der dominierenden algorithmischen Kultur von Heute liegt etwas zutiefst Zynisches und Widersprüchliches zugrunde. War der Flash Crash an der Börse nicht auch ein Zeichen für einen viel allgemeineren Kontrollverlust in Arbeit und Leben?
Die transmediale Ausstellung 2015, CAPTURE ALL, zeigt künstlerische Positionen, die auf die Asymmetrien und Fehlannahmen in einer datafizierten Welt reagieren. Die Auswahl der Arbeiten etablierter wie auch aufstrebender Künstler_innen aus dem Call for Works konzentriert sich vor allem auf die mehrdeutige Beziehung und unheimliche Spannung zwischen Nutzer und Algorithmus, dem Selbst und dem sich ständig entwickelnden Gerät. Lässt dieses System noch Raum für Spiel und alternative Handlungsweisen? Oder sind wir in eine ausweglose Situation geraten? Die von Algorithmen unter Druck gesetzte Kunst scheint zurückzuschlagen; sie eignet sich die „Capture All“-Logik an und testet ihre Grenzen aus. Indem sie Prozesse der Selbstkommerzialisierung beschleunigen, sich mit Überidentifizierung beschäftigen, die Abläufe in Netzwerken umwälzen oder neu nutzen sowie die versteckte Monströsität von technischen Infrastrukturen ans Licht bringen, spiegeln die Werke in der Ausstellung ein breites Spektrum an künstlerischer Praxis wider. In den Arbeiten werden Gesichtserkennungs-Apps, Life-Blogging-Kameras, biometrische Diagramme, sowie Werte, Zahlen und Korrelationen aufgegriffen. Die Künstler diskutieren, provozieren spielerisch und spekulieren über die Zukunft der algorithmischen Arbeit und des algorithmischen Lebens. Die Ausstellung zeigt Möglichkeiten des Überschusses und des Widerstandes auf, die – wenn sie von der Kunst angetrieben werden – Raum für Unerwartetes jenseits von Datensammlung und Messungen schafft.

Künstler: Timo Arnall, Art is Open Source [AOS]: Salvatore Iaconesi + Oriana Persico, Zach Blas, Heather Dewey-Hagborg, Eastwood – Real Time Strategy Group, LaTurbo Avedon, Jonas Lund, Jennifer Lyn Morone, Tobias Revell, Sebastian Schmieg, Silvio Lorusso, Erica Scourti 

28.01.2015 17:30-23:00,
29.01.-01.02.2015 11:00-22:00
Melden Sie sich hier für eine öffentliche Kuratorenführung an.

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